{"id":10988,"date":"2018-09-11T15:26:39","date_gmt":"2018-09-11T13:26:39","guid":{"rendered":"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/?p=10988"},"modified":"2022-07-02T13:25:48","modified_gmt":"2022-07-02T11:25:48","slug":"technology-%e2%89%a0-digital-transformation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/de\/technology-%e2%89%a0-digital-transformation\/","title":{"rendered":"Technology \u2260 Digital Transformation"},"content":{"rendered":"<p>Viele leiten aus der Ungleichung \u201cTechnologie \u2260 digitale Transformation\u201d ab, dass wir weniger \u00fcber Technologie reden sollten, weil es im Wesentlichen um Transformationsprozesse geht. Diese Schlussfolgerung scheint logisch zu sein \u2013 und trotzdem ist sie das Gegenteil der Wahrheit. Das Verstehen der Technologie ist die Grundvoraussetzung f\u00fcr das erfolgreiche Gestalten der digitalen Transformationen.<br \/>\nBetrachten wir die Situation aus Sicht der Verantwortlichen f\u00fcr digitale Transformationsprojekte, dann wird klar: Sie m\u00fcssen wissen, was die Technologie heute kann, was sie in ein paar Jahren k\u00f6nnen wird und was ausserhalb der technischen M\u00f6glichkeiten ist oder nur zu extrem hohen Kosten technisch realisiert werden kann. Dieses Wissen ist ohne Innensicht auf das Funktionieren der Technologie nicht zu erwerben. Denn es gibt immer wieder Situationen, in denen eine Black-Box-Perspektive auf Technologie zu falschen Entscheiden f\u00fchrt. Das klassische Beispiel hierf\u00fcr ist die sprichw\u00f6rtliche Datenbankabfrage, die auch auf den gr\u00f6ssten Server nie zu Ende kommt. So lange, bis man entweder auf die Anfrage verzichtet oder ein Mitarbeiter sich die Datenstruktur anschaut, die Abfrage umprogrammiert und die Abfrage pl\u00f6tzlich weniger als eine Sekunde braucht. Fast jeder von uns hat dieses Beispiel in der einen oder anderen Version schon einmal erlebt. So wie hier beschrieben, hat es mir ein Kollege von einer Grossbank vor 15 Jahren erz\u00e4hlt. Ich selber habe es in der Form erlebt, dass ein Uni-Server von einem meiner Mitarbeiter wochenlang in Beschlag genommen wurde f\u00fcr einfache Aufgaben. Bis ich herausfand, dass der Mitarbeiter davon ausging, dass er als Programmierer sich nicht um den Speicher k\u00fcmmern m\u00fcsse, weil dies die JVM tut. Auch bei sehr d\u00fcnn besetzten sehr grossen Matrizen. Wie Sie sich leicht vorstellen k\u00f6nnen, konnten wir die Serverzeit dramatisch verk\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Aber das Blackboxing der Technologie verf\u00fchrt nicht nur die Entscheider und die Nutzer zu Fehlentscheidungen. Es behindert auch auf ganz anderer Ebene noch den Erfolg. Es kommt ganz selten vor, dass man grosse Innovationsprojekte alleine mit dem Team, das sie implementiert, zum Erfolg bringen kann. Oft braucht es Hilfe von Team-Externen bei unvorhergesehenen Problemen. Fast immer braucht es das Grundverst\u00e4ndnis derer, die mit der Innovation im Alltag umgehen m\u00fcssen. Je mehr Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die einer Innovation zugrunde liegende Technologie in der Welt ist, desto gr\u00f6sser sind jeweils die Erfolgschancen. Schachspieler kennen das Prinzip der Prophylaxe aus dem Lehrbuchklassiker \u00abMein System\u00bb von Aaron Nimzowitsch: Wer starke Positionen von Bauern \u00ab\u00fcberdeckt\u00bb (d.h. zu gut absichert), dessen Figuren gewinnen aus der \u00dcberdeckung St\u00e4rke. Analoges gilt f\u00fcr digitale Transformationsprojekte, die mehr Ressourcen als notwendig in die Vermittlung eines technischen Grundverst\u00e4ndnisses investieren. Sie werden befl\u00fcgelt. Denn Menschen m\u00f6gen Technik, die sie verstehen.<\/p>\n<p>Allerdings ist mein oben geschildertes Erlebnis zweischneidig. Man k\u00f6nnte mit gewissem Recht daraus den Schluss ziehen, dass Halbwissen schadet. Tats\u00e4chlich ist es ein ebenfalls sprichw\u00f6rtlicher Alptraum aller IT-Spezialisten, dass F\u00fchrungskr\u00e4fte das bisschen IT-Wissen, das sie haben, f\u00fcr weitreichende Entscheide nutzen. Besonders gruselig wird es, wenn jugendlicher Programmiererfahrungen von anno dazumal Regie f\u00fchren. Aber tats\u00e4chlich schlimmer sind jene F\u00fchrungskr\u00e4fte, die zig oder sogar hunderte Millionen in den Sand setzen, weil sie den IT-Small-Talk beherrschen, aber nicht das Gespr\u00e4ch mit ihren Ingenieuren. F\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch ist echte Neugier und technisches Interesse \u00e4usserst hilfreich.<\/p>\n<p>So oder so, auch wenn Teilwissen oft schadet, k\u00f6nnen wir nicht darauf verzichten, m\u00f6glichst viel \u00fcber Technologie zu sprechen. Statt \u00fcber Technologie nur mehr \u00fcber wahnsinnige Gesch\u00e4ftsm\u00f6glichkeit und den sozialen Fortschritt durch die digitale Transformation zu reden (oder umgekehrt \u00fcber Milliarden verlorengehender Arbeitspl\u00e4tze), das heisst den Glauben an die Aufkl\u00e4rung aufgeben! Die Technik als solche nicht zu thematisieren ist l\u00e4ngerfristig genauso gef\u00e4hrlich, wie \u00fcber die von ihr geschaffenen m\u00f6glichen Risiken nicht zu reden! Man kann nicht ohne Schaden eine treibende Kraft der Ver\u00e4nderung \u2013 und das ist nun einmal der technische Fortschritt \u2013 im \u00f6ffentlichen Diskurs ignorieren. Die Schweizer Informatik Gesellschaft wird deshalb den genuinen Technologiediskurs in Zukunft in verschiedenen Formaten f\u00f6rdern.<br \/>\nSwiss Digital Summit 2018<br \/>\n\u00a8<br \/>\nEines dieser Formate ist der neu ins Leben gerufene<a href=\"https:\/\/swiss-digital-summit.swissinformatics.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Swiss Digital Summit<\/a>, der erstmals am 27. September stattfinden wird, bei freiem Eintritt im Auditorium Maximum der ETH. Wir streben dabei einen Digitalgipfel der Neugierigen und Interessierten an, mit vielen Beitr\u00e4gen aus der Schweiz und einigen Gastbeitr\u00e4gen aus dem Ausland. Die Sache soll f\u00fcr ein Mal im Vordergrund stehen, nicht das Networking. Aber es wird sicher auch gen\u00fcgend Gelegenheit zum Networking geben. Prim\u00e4res Ziel ist es, dass jede und jeder mit Interesse an der aktuellen Forschung, vom Digitalgipfel viel Wissen nach Hause bringen kann \u2013 auch wenn sie oder er kein Spezialist f\u00fcr das jeweilige Thema ist.<br \/>\nSelbstverst\u00e4ndlich kommen auch die Themen Ethik, Bildung und Regulierung zur Sprache. Hier streben wir einen multi-kompetenten Diskus an. Beispiel Cyberw\u00e4hrungen: Es macht keinen Sinn, eine neue Cyberw\u00e4hrungspolitik zu diskutieren, ohne die Lessons Learned aus den letzten 150 Jahren W\u00e4hrungspolitik auf der ganzen Welt zu kennen. Nur mit Kompetenz in Geld, respektive Makro\u00f6konomie, und IT k\u00f6nnen wir hoffen, nachhaltige Cyberw\u00e4hrungsstrategien zu entwickeln. Beispiel: Digitale Demokratie: Hier braucht es Wissen in gleich mehreren Fachdisziplinen, erg\u00e4nzt um Erfahrung mit den zahlreichen Partizipationsexperimenten der letzten Jahre.<\/p>\n<p>Falls sie solche Ziele f\u00fcr unerreichbar halten. Ich hoffe, wir k\u00f6nnen Ihnen in den n\u00e4chsten Jahren das Gegenteil beweisen!<\/p>\n<p>Herzlichst, Ihr Reinhard Riedl<\/p>\n<p>____________________<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/swiss-digital-summit.swissinformatics.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Swiss Digital Summit<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Auditorium Maximum der ETH Z\u00fcrich<br \/>\n27. September 2018<br \/>\n10:00 \u2013\u00a0 18:30<\/p>\n<p>In Form einer allen Interessierten offenstehenden, j\u00e4hrlichen Veranstaltung vermittelt die SI neuestes Wissen \u00fcber zuk\u00fcnftige und aktuelle Themen der Digitalen Welt, dieses Jahr unter dem Titel \u201cDigital Summit\u201d (ehemals \u201cTechnology Outlook\u201d). Renommierte Referenten aus der internationalen Wissenschaftsszene berichten aus erster Hand in allgemein verst\u00e4ndlicher Form \u00fcber ihre Forschung in Quantencomputing, Neurocomputing, K\u00fcnstlicher Intelligenz, Bildverarbeitung, innovativen Methoden der Programmierausbildung und Digitaler Ethik. Anl\u00e4sslich einer Podiumsdiskussion werden Auswirkungen der Digitalen Transformation auf die Gesellschaft auf den Tisch gebracht.<\/p>\n<p><strong>Anmeldungsformular<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/swiss-digital-summit.swissinformatics.org\/register\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-8524\" src=\"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/16385-200.png\" alt=\"Anmeldiungsicon\" width=\"200\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/16385-200.png 200w, https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/16385-200-150x150.png 150w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele leiten aus der Ungleichung \u201cTechnologie \u2260 digitale Transformation\u201d ab, dass wir weniger \u00fcber Technologie reden sollten, weil es im Wesentlichen um Transformationsprozesse geht. 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