{"id":11733,"date":"2019-04-05T09:36:06","date_gmt":"2019-04-05T07:36:06","guid":{"rendered":"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/und-was-macht-das-internet\/"},"modified":"2022-07-02T13:10:51","modified_gmt":"2022-07-02T11:10:51","slug":"und-was-macht-das-internet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/de\/und-was-macht-das-internet\/","title":{"rendered":"Was Tulpen und Kryptow\u00e4hrungen gemeinsam ist"},"content":{"rendered":"<p>Erst k\u00fcrzlich erreichte der Wert des Bitcoins einmal mehr ein kurzfristiges Hoch. Die junge Geschichte des Bitcoins ist gezeichnet von heftigen Fluktuationen. Nennenswert ist, dass die Kryptow\u00e4hrung seit ihrer Gr\u00fcndung vor etwa zehn Jahren trotz der Fluktuationen eine beeindruckende Wertsteigerung durchgemacht hat. Der erste registrierte Wert der W\u00e4hrung war 0.003$ im M\u00e4rz 2010. Am 17. Dezember 2017 stieg der Preis zum bis jetzt h\u00f6chsten Punkt auf 19\u2019783.06 $ (<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/History_of_bitcoin\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/History_of_bitcoin<\/a>) und momentan, das heisst im August 2019 pendelt er um 10\u2019000$.<\/p>\n<p>Die Funktionsweise von Kryptow\u00e4hrungen und wie diese Neuheit unser Leben potentiell ver\u00e4ndern kann, fasziniert und f\u00fchrt zu viel Spekulationen. Eine K\u00fcnstlerin welche sich in ihren Arbeiten mit der Spekulation von Kryptow\u00e4hrungen befasst ist Anna Ridler.<\/p>\n<p>Anna Ridler thematisiert mit ihren Arbeiten die Kryptow\u00e4hrung im Allgemeinen und besch\u00e4ftigt sich mit den Ph\u00e4nomenen die sie mit sich bringen, wie beispielsweise den Spekulationen im virtuellen Raum. Eine ihrer Arbeiten, \u00abBloemenveiling\u00bb, zieht parallelen zwischen der Tulpenmanie in den Niederlanden im 17. Jahrhundert und den Vorg\u00e4ngen rund um Kryptow\u00e4hrungen heute. Die britische K\u00fcnstlerin und Forscherin studierte an der Oxford University, dem Royal College of Art und der University of Arts London. Ihr Interesse liegt vor allem in der Datensammlung und deren Verarbeitung mit maschinellem Lernen. Daraus erstellt sie unter Anderem Zeichnungen und Malereien und auf diese Weise verbindet sie die verschiedenen Themenbereiche miteinander.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/und-was-macht-das-internet\/screenshot-2019-08-25-at-23-08-30-2\/\" rel=\"attachment wp-att-11957\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-11957\" src=\"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Screenshot-2019-08-25-at-23.08.30-1024x561.png\" alt=\"Flower Image\" width=\"1024\" height=\"561\" srcset=\"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Screenshot-2019-08-25-at-23.08.30-1024x561.png 1024w, https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Screenshot-2019-08-25-at-23.08.30-300x164.png 300w, https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Screenshot-2019-08-25-at-23.08.30-768x421.png 768w, https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Screenshot-2019-08-25-at-23.08.30.png 1654w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a>Die Tulpenmanie, welche in den 1630er Jahren in den Niederlanden stattfand, wird oft als die erste spekulative Blase bezeichnet. F\u00fcr besonders spektakul\u00e4re Tulpenzwiebeln wurde bis zum zehnfachen eines Jahresgehalts eines Handwerkers geboten (<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Tulip_mania\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Tulip_mania<\/a>). Die beliebtesten Tulpen waren solche mit weissen oder gelblichen Streifen auf den Bl\u00fctenbl\u00e4ttern. Diese waren mit dem Mosaik-Virus befallen, wie sp\u00e4ter herausgefunden wurde. Anna Ridlers Arbeit \u00abMosaic Virus\u00bb ist eine der beiden Arbeiten, welche Parallelen zwischen der Tulpenmanie und dem Krypto-Craze zieht. Dabei wird die virtuelle Tulpe als aktualisierte Version eines niederl\u00e4ndischen Stillebens gezeigt, welche ihre Zeichnung je nach Bitcoinpreis \u00e4ndert. Je h\u00f6her der Preis eines Bitcoins, je st\u00e4rker wird die Tulpe vom Mosaikvirus gezeichnet.<\/p>\n<p>Im Februar 1637 platzte die Tulpenblase. Gl\u00fccklicherweise folgte darauf keine wirkliche Wirtschaftskrise und die holl\u00e4ndische Prosperit\u00e4t erlitt keinen Schaden. Vermutlich w\u00e4re es bei der Bitcoinblase \u00e4hnlich, denn auch dieses Ph\u00e4nomen hat im wirtschaftlichen Alltag noch keinen bedeutenden Einfluss.<\/p>\n<p>Tulpen sind Pflanzen und halten gerade als Schnittblumen nicht ewig. Bereits nach kurzer und absehbarer Zeit ist ihre Sch\u00f6nheit und damit auch ihr Wert verpufft. Bei Kryptow\u00e4hrungen k\u00f6nnte das gleiche passieren, jedoch ist ihre Haltbarkeit unbekannt. Klassische W\u00e4hrungen haben zwar wie der Bitcoin keinen realen Gegenwert, aber daf\u00fcr eine gewisse Stabilit\u00e4t. Sie sind gebunden an ein Land und dessen Wirtschaftsleistung. Entsprechend sind sie auch ein Spiegel des Wohlstandes eines Landes und dieser ver\u00e4ndert sich meist eher tr\u00e4ge. Hingegen ist der Gegenwert bei einem Bitcoin einzig die Arbeit, die investiert wurde um ihn zu minen. Und der Preis des Bitcoins h\u00e4ngt einzig und alleine von der Anzahl Personen ab, die bereit sind, reales Geld zu investieren um mit dieser W\u00e4hrung zu spielen. Ein Spiel, das herausfordert, nicht der Masse zu folgen und zu verkaufen respektive zu kaufen, wenn es alle machen. Bezeichnenderweise gibt es sogar einen Begriff daf\u00fcr, Hodl, der genau dieses Verhalten beschreibt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/und-was-macht-das-internet\/screenshot-2019-08-25-at-23-06-30-2\/\" rel=\"attachment wp-att-11953\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-11953\" src=\"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Screenshot-2019-08-25-at-23.06.30-1024x629.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"629\" srcset=\"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Screenshot-2019-08-25-at-23.06.30-1024x629.png 1024w, https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Screenshot-2019-08-25-at-23.06.30-300x184.png 300w, https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Screenshot-2019-08-25-at-23.06.30-768x472.png 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Durch menschliches Verlangen angetrieben fluktuieren die Preise f\u00fcr Kryptow\u00e4hrungen st\u00e4ndig und sehr stark. Sie sind begehrt solange sie Reichtum versprechen und \u00e4ngstigen, wenn der Preis f\u00e4llt. Im Gegensatz zu den Tulpen, deren Preis lediglich stieg bis er einmalig und endg\u00fcltig platzte, ist es heute m\u00f6glich, sich mit genau diesen unsicheren Wechseln zu bereichern.<\/p>\n<p>Tulpen wie auch Kryptow\u00e4hrungen waren und sind Statussymbole, lediglich kann virtuelles Geld leider kein visuelles oder anderweitig sinnliches Vergn\u00fcgen bereiten &#8211; solange es nicht eingetauscht wird, beispielsweise durch das Ersteigern eines Videos einer virtuellen Tulpe von Anna Ridler aus ihrer Arbeit \u00abBloemenveiling\u00bb, mit Ethereum versteht sich. Genau wie bei Kryptow\u00e4hrungen besteht in dieser Arbeit von Anna Ridler eine k\u00fcnstliche Knappheit, denn es werden nur einhundert durch AI erstellte Videos von Tulpen versteigert. Falls man der oder die gl\u00fcckliche Gewinner*in einer Auktion ist, kann das Video der Tulpe angefordert und im Browser angeschaut werden, eine Woche lang. Nach einer Woche ist die Tulpe beschmutzt und das bewegte Bildst\u00fcck ist f\u00fcr immer unzug\u00e4nglich und kann von seinem oder seiner Besitzer*in nicht mehr gesehen werden. Auf diese Weise f\u00fchrt die K\u00fcnstlerin radikal den Verfall und die Verg\u00e4nglichkeit der nat\u00fcrlichen Welt wieder in die digitale Welt ein.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/und-was-macht-das-internet\/screenshot-2019-08-25-at-23-07-55-2\/\" rel=\"attachment wp-att-11961\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-11961\" src=\"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Screenshot-2019-08-25-at-23.07.55-1024x768.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Screenshot-2019-08-25-at-23.07.55-1024x768.png 1024w, https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Screenshot-2019-08-25-at-23.07.55-300x225.png 300w, https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Screenshot-2019-08-25-at-23.07.55-768x576.png 768w, https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Screenshot-2019-08-25-at-23.07.55-678x509.png 678w, https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Screenshot-2019-08-25-at-23.07.55-326x245.png 326w, https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Screenshot-2019-08-25-at-23.07.55-80x60.png 80w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Anna Ridler hat f\u00fcr Ihre Arbeiten das Potential und den Nutzen von Kryptow\u00e4hrungen erkannt. Doch sehen auch Personen ohne Vorwissen, was diese W\u00e4hrung mit sich bringt? W\u00e4hrend dem letzten Hype vor ein paar Jahren kursierten Geschichten wie zum Beispiel diejenige von Long Island Iced Tea Corp. welche sich zu Long Blockchain Corp. umbenannte und den Aktienwert somit um ein zig-faches steigerte. Relativ gross ist die Gefahr, dass Leute ohne Kenntnis der Materie und ohne Fachwissen in \u00abMist\u00bb investieren. Ein Fall, der dies wunderbar illustriert, sind die Ponzi Coins. Ein \u00abponzi scheme\u00bb ist ein Schneeballsystem. Der Name gibt also schon genug Hinweise darauf, dass es sich um ein Betrugssystem handelt k\u00f6nnte. Dennoch waren etliche Leute blind und investierten in die Ponzi Coins. Heute steht auf der Website, dass es nur eine \u00abPerformance\u00bb war, alle Contracts aufgel\u00f6st wurden und somit niemand um sein oder ihr Geld betrogen wurde.<\/p>\n<p>Welchen Stellenwert Kryptow\u00e4hrungen in der Zukunft haben ist ungewiss. Doch klar ist, dass die W\u00e4hrung als Idee wertvoll ist, insofern dass sie Teile unseres Wirtschaftssystems fundamental in Frage stellt. Damit W\u00e4hrungen, so wie sie jetzt existieren funktionieren, ist es wichtig, dass ein Land den Banken, insbesondere der Nationalbank, vertraut. Transaktionen mit der W\u00e4hrung funktionieren nur, wenn die Gewissheit da ist dass die Transaktionen genau so abgewickelt werden, wie sie in Auftrag gegeben wurden. Im Gegensatz dazu setzen Bitcoins und andere Kryptow\u00e4hrungen nicht voraus, dass eine solche Instanz existiert. Durch die Contracts jede Person selber verifizieren, dass die Transaktionen auch wirklich stattgefunden haben.<\/p>\n<p>Genau wie die Kryptow\u00e4hrungen unser Verst\u00e4ndnis von Geldsystemen in Frage stellen, stellen auch Anna Ridlers Tulpen unser Verst\u00e4ndnis von Bildender Kunst in Frage. Wir sind uns gewohnt, dass mit dem Kauf einer k\u00fcnstlerischen Arbeit diese auf unbestimmte Zeit in unseren Besitz \u00fcbergeht und idealerweise \u00fcber die Zeit hinweg wertvoller wird &#8211; jedoch erwarten wir nicht, dass sie einfach verschwindet. Anna Ridlers Tulpen tun aber genau das &#8211; sie sind nach einer Woche verloren und f\u00fcr den Rest der Zeit unzug\u00e4nglich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erst k\u00fcrzlich erreichte der Wert des Bitcoins einmal mehr ein kurzfristiges Hoch. Die junge Geschichte des Bitcoins ist gezeichnet von heftigen Fluktuationen. Nennenswert ist, dass die Kryptow\u00e4hrung seit ihrer Gr\u00fcndung vor etwa zehn Jahren trotz der Fluktuationen eine beeindruckende Wertsteigerung durchgemacht hat. Der erste registrierte Wert der W\u00e4hrung war 0.003$ im M\u00e4rz 2010. Am 17. 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