{"id":15151,"date":"2021-06-06T22:55:18","date_gmt":"2021-06-06T20:55:18","guid":{"rendered":"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/it-feuer-barbara-weber\/"},"modified":"2022-11-23T14:42:17","modified_gmt":"2022-11-23T13:42:17","slug":"it-feuer-barbara-weber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/de\/it-feuer-barbara-weber\/","title":{"rendered":"IT Feuer &#8211; Barbara Weber"},"content":{"rendered":"<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"250\"><span style=\"color: #e3e3e3\">.<\/span><br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-15139\" src=\"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/BarbaraWeber-300x300.png\" alt=\"Barbara Weber\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/BarbaraWeber-300x300.png 300w, https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/BarbaraWeber-150x150.png 150w, https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/BarbaraWeber.png 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/td>\n<td valign=\"top\">&nbsp;<\/p>\n<h3>Barbara Weber<\/h3>\n<h4>Professorin und Dekanin an der Universit\u00e4t St. Gallen<\/h4>\n<p>Alter: 44<\/p>\n<p><em>\u201eInformatik ist extrem vielseitig, stiftet grossen Nutzen und macht wahnsinnig viel Spass.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Werdegang: Barbara Weber hat an der Universit\u00e4t Innsbruck promoviert und als erste Frau dort in Informatik habilitiert. Sie war zun\u00e4chst in Innsbruck Assistenzprofessorin und dann Assoziierte Professorin (tenure-track). 2016 wurde sie auf eine volle Professur f\u00fcr Software Engineering an die Technische Universit\u00e4t D\u00e4nemark berufen. 2019 folgte Sie dann einem Ruf an die Universit\u00e4t St. Gallen.<br \/>\nSie ist ordentliche Professorin f\u00fcr Software Systems Programming and Development und seit August 2020 Dekanin der neu gegr\u00fcndeten School of Computer Science.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Wie sind Sie in die IT-Branche gekommen?<\/h3>\n<p><em>Welches war Ihre erste Begegnung mit IT? &nbsp; Wann, wie und warum haben Sie dann Feuer gefangen?<\/em><br \/>\nMeine erste Begegnung mit der IT machte ich zu Beginn meiner Gymnasialzeit in den Sommerferien als ich mich aus Eigenantrieb f\u00fcr einen Computerkurs angemeldet habe. Mir hat das so viel Spass gemacht, dass ich dann meinen Vater \u00fcberzeugt habe, mir einen PC zu kaufen. Ich erinnere mich, dass es ein 286er Prozessor von Intel war, es bereits die ersten graphischen Benutzeroberfl\u00e4chen gab, noch kein Internet f\u00fcr Privathaushalte verf\u00fcgbar war und Computer damals noch so richtig teuer waren. In meiner Familie oder meinem n\u00e4heren Umfeld gab es niemanden, der Interesse oder Expertise in diesem Bereich hatte. Ich war aber neugierig und fasziniert von den M\u00f6glichkeiten und mir gefiel es Dinge auszuprobieren und mit dem Computer zu gestalten. Obwohl meine Eltern damals selbst keine Computerkenntnisse hatten, unterst\u00fctzen sie mich in meinem Ansinnen.<\/p>\n<p><em>Wie alt waren Sie da?<\/em><br \/>\n11 Jahre.<\/p>\n<p><em>Wie alt waren Sie, als es ernst wurde und Sie sich<\/em><br \/>\n<em>a) f\u00fcr eine Berufslehre entscheiden mussten?<\/em><br \/>\n<em>b) f\u00fcr eine Studienrichtung entscheiden mussten?<\/em><br \/>\nF\u00fcr mich war es immer klar, dass ich studieren m\u00f6chte. Entscheiden musste ich mich dann mit 18 nachdem ich das Gymnasium mit Matura abgeschlossen hatte.<\/p>\n<p><em>Was f\u00fcr alternative Berufe oder Studienrichtungen haben Sie damals ebenfalls interessiert?<\/em><br \/>\nEigentlich wollte ich Informatik studieren, allerdings gab es damals in der N\u00e4he keine enstprechenden Studienangebote und ich wollte nicht aus Tirol wegziehen und unbedingt in meinem Sportverein weitertrainieren. Als begeisterte Sportlerin habe ich dann mit dem Gedanken gespielt, Sport zu studieren und mich dabei auf Sportmanagement zu spezialisieren. Obwohl ich ingesamt sehr sportlich war, hatte ich aber insbesondere beim Turnen gewisse Schw\u00e4chen, sodass ein Sportstudium f\u00fcr mich letztendlich keine Option war. Daher habe ich mich entschieden, mich auf den Managementteil zu konzentrieren und Betriebswirtschaftslehre zu studieren. W\u00e4hrend des Studiums habe ich dann soweit es m\u00f6glich war technische F\u00e4cher gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p><em>Welche Infos hatten Sie damals \u00fcber die Ausbildung und die M\u00f6glichkeiten danach?<\/em><br \/>\nIch habe mir eigentlich damals recht wenig Gedanken gemacht und war sehr auf meinen Leistungssport fokusiert.<\/p>\n<p><em>Was sprach dagegen aus Ihrer damaligen Sicht?<\/em><br \/>\nGegen ein Informatikstudium sprach f\u00fcr mich damals, dass ich Tirol h\u00e4tte verlassen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><em>Wer, welche Personen, welche Umst\u00e4nde haben f\u00fcr Sie damals gegen eine Laufbahn, in der IT zu gesprochen?<\/em><br \/>\nGegen eine Laufbahn in der IT sprach wenig, allerdings gegen ein Informatikstudium ausserhalb von Tirol.<\/p>\n<p><em>Was war letztendlich doch ausschlaggebend f\u00fcr Ihren Entscheid, in die IT zu gehen?<\/em><br \/>\nAusschlaggeben waren M\u00f6glichkeiten, die sich aufgetan haben, und die ich ergriffen habe. Bereits fr\u00fch in meinem Studium habe ich begonnen bei einer Firma zu arbeiten, die auf Computerschulungen spezialisiert war. W\u00e4hrend des 2. Studienabschnitts habe ich dann Vollzeit als Software-Entwicklerin gearbeitet und war nur ca. 1 Tag in der Woche an der Uni. An der Uni waren meine Programmierkenntnisse gefragt und ich konnte eine technische Masterarbeit machen. Gegen Ende meines Studiums bekam ich dann eine Doktoratsstelle angeboten (im Bereich Informationsysteme) und ich ergriff die M\u00f6glichkeit umgehend. Gegen Ende meiner Dissertation begann man in Innsbruck dann Informatikstudieng\u00e4nge aufzubauen und gr\u00fcndete ein Institut f\u00fcr Informatik. F\u00fcr mich genau zur richtigen Zeit. Auf einer Veranstaltung des damaligen Software Circles lernte ich eine der Professorinnen kennen und bekam eine Stelle als Postdoktorandin angeboten. Damit war ich dann da, wo ich eigentlich immer sein wollte &#8211; in der Informatik.<\/p>\n<p><em>Wer, welche Personen, haben Sie damals unterst\u00fctzt?<\/em><br \/>\nSehr stark Unterst\u00fctzung erhielt ich von meinem damaligen Freund und jetztigen Mann. Dar\u00fcber hinaus war ein Forscherkollege von der Universit\u00e4t Ulm in meiner fr\u00fchen Karriere entscheidend. Schwierig war die Situation w\u00e4hrend meiner Disseration, da ich kaum Betreuung hatte. Nach dem Wechsel an die Informatik war die Situation vorallem deswegen herausfordernd, weil es in \u00d6sterreich eine Novellierung des Universit\u00e4tsgesetzes gab und dann \u00fcber Jahre Kollektivverhandlungen stattfanden. In dieser Verhandlungsphase gab es massive Unsicherheiten und erst ein halbes Jahr vor Ablauf meines Vertrages zeichnete es sich ab, dass es zu einer Einigung kommt und sogenannte Laufbahnstellen eingef\u00fchrt werden. Hier hatte ich dann das Gl\u00fcck, dass diese Stellen f\u00fcr mich gerade noch rechtzeitig kamen und ich eine dieser sehr begeehrten und auch raren Stellen gewinnen konnte. Zweifel gabe es entlang des Weges immer wieder. Geholfen hat aber die Begeisterung und das Interesse f\u00fcr das Fach.<\/p>\n<h3>Wie verlief Ihr Weg nach der Ausbildung bzw. nach dem Studium?<\/h3>\n<p><em>Welches waren Ihre ersten Schritte nach dem Studium?<\/em><br \/>\nNach meinem Studium begann ich unmittelbar mit meinem Doktorat.<\/p>\n<p><em>Wo standen Sie in Ihrer Karriere f\u00fcnf Jahre nach Ende der Ausbildung\/Studium?<\/em><br \/>\nF\u00fcnf Jahre nach Abschluss meines Diplomstudiums war ich Postdoktorandin am Institut f\u00fcr Informatik an der Universit\u00e4t Innsbruck, d.h. noch am Anfang meiner wissenschaftlichen Karriere.<\/p>\n<p><em>Hatten Sie<\/em><br \/>\n<em>a) Denselben Lohn wie Ihre m\u00e4nnlichen Kollegen?<\/em><br \/>\nJa.<\/p>\n<p><em>b) Dieselben Karrierechancen?<\/em><br \/>\nJa.<\/p>\n<h3>Wie sch\u00e4tzen Sie die Entscheidung f\u00fcr die IT r\u00fcckblickend ein?<\/h3>\n<p><em>Welche Ihrer Erwartungen wurden erf\u00fcllt?<\/em><br \/>\nIch kann mich noch gut erinnern, dass ich Anfang 20 die Sorge hatte, nie einen Job zu finden, der mir l\u00e4nger als 1-2 Jahre gef\u00e4llt und es langweilig wird. Von der Entscheidung f\u00fcr eine wissenschaftliche Laufbahn in der Informatik erhoffte ich mir ein spannendes T\u00e4tigkeitsfeld sowie die M\u00f6glichkeit gestalten zu k\u00f6nnen und diese Erwartung wurde voll erf\u00fcllt.<\/p>\n<p><em>Was freut Sie am meisten an ihrer aktuellen beruflichen Situation?<\/em><br \/>\nDie M\u00f6glichkeit gestalten zu k\u00f6nnen. Die Zusammenarbeit und der Austausch mit Studierenden und jungen Forscherinnen und Forschern.<\/p>\n<p><em>Welche Ihrer Erwartungen wurden nicht erf\u00fcllt?<\/em><br \/>\nKeine.<\/p>\n<p><em>W\u00fcrden Sie denselben Entscheid nochmals treffen?<\/em><br \/>\nJa.<\/p>\n<p><em>Was bereuen oder kritisieren Sie?<\/em><br \/>\nEigentlich bereue ich keinen meiner Schritte. Allerdings sehe ich es mit Bedauern, dass der Wettbewerb im wissenschaftlichen Bereich immer mehr zunimmt und es nur sehr wenige Tenure Track Stellen gibt.<\/p>\n<p><em>Wie w\u00e4re\/w\u00fcrde Ihre Laufbahn anders verlaufen, wenn Sie ein Mann w\u00e4ren?<\/em><br \/>\nIch glaube, dass meine Karriere als Mann nicht anders verlaufen w\u00e4re. Allerdings ist es hier ganz entscheidend, dass mich mein Mann bei jeder meiner Karriereentscheidungen und Umz\u00fcgen voll und ganz unterst\u00fctzt hat und wir als Team gut eingespielt sind.<\/p>\n<p><em>Was w\u00fcrden Sie anders machen, und wie genau, wenn Sie k\u00f6nnten?<\/em><br \/>\nIch glaube ich w\u00fcrde nicht viel anders machen, da ich einen Job habe, der mir sehr viel Spass macht.<\/p>\n<p><em>H\u00e4tten Sie einen Zauberstab, was w\u00fcrden Sie sich w\u00fcnschen?<\/em><br \/>\nWeltweit mehr Budget f\u00fcr die Forschung und ein weniger hierarchisches Wissenschaftssystem.<\/p>\n<h3>Was raten Sie Ihrer Tochter?<\/h3>\n<p><em>Welche Ratschl\u00e4ge w\u00fcrden Sie ihrer 15-j\u00e4hrigen Tochter mit auf den Weg geben, wenn sie gern in die IT gehen m\u00f6chte?<\/em><br \/>\nIch w\u00fcrde sie ermuntern und sie ermutigen ihren leistungsf\u00e4higen Computer f\u00fcr Online Kurse zu verwenden und sich coole Projekte eventuell gemeinsam mit Kolleginnen zu \u00fcberlegen.<\/p>\n<p><em>Was ist f\u00fcr Sie in beruflicher Hinsicht wichtig im Leben?<\/em><br \/>\nGestalten zu k\u00f6nnen, etwas bewirken k\u00f6nnen, spannende Aufgaben und interessante Diskussionen, ein kollegiales und kooperatives Arbeitsumfeld.<\/p>\n<p><em>Worauf m\u00fcsste eine junge Frau, die im Jahr 2061 pensioniert wird, bei der Gestaltung ihre Laufbahn achten?<\/em><br \/>\nEin Fach zu w\u00e4hlen wof\u00fcr man brennt und welches auch langfristig grossen Nutzen stiftet. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass man nicht jeden Schritt vorausplanen kann und muss, aber man muss bereit sein, wenn sich eine Gelegenheit bietet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/de\/a-stage-for-women-in-it\/\">Zur\u00fcck zur \u00dcbersichtsseite<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>. &nbsp; Barbara Weber Professorin und Dekanin an der Universit\u00e4t St. Gallen Alter: 44 \u201eInformatik ist extrem vielseitig, stiftet grossen Nutzen und macht wahnsinnig viel Spass.\u201c Werdegang: Barbara Weber hat an der Universit\u00e4t Innsbruck promoviert und als erste Frau dort in Informatik habilitiert. 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