{"id":16369,"date":"2021-10-04T00:10:33","date_gmt":"2021-10-03T22:10:33","guid":{"rendered":"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/it-feuer-monika-stengl-2\/"},"modified":"2022-11-23T13:58:38","modified_gmt":"2022-11-23T12:58:38","slug":"it-feuer-monika-stengl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/fr\/it-feuer-monika-stengl\/","title":{"rendered":"IT Feuer \u2013 Monika Stengl"},"content":{"rendered":"<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"160\"><span style=\"color: #e3e3e3\">.<\/span><br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-16253\" src=\"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/MonikaStengl-300x300.png\" alt=\"Monika Stengl\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/MonikaStengl-300x300.png 300w, https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/MonikaStengl-150x150.png 150w, https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/MonikaStengl.png 500w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/td>\n<td valign=\"top\">&nbsp;<\/p>\n<h3>Monika Stengl<\/h3>\n<h4>Expert Data, Analytics &amp; AI Engineer<\/h4>\n<p>Jahrgang: 1960<br \/>\n2 Kinder<\/p>\n<p><em>\u201eWenn du neugierig bist, probier&rsquo;s und lass dich \u00fcberraschen, denn IT ist so viel mehr als Programmieren, und es macht richtig Spass. Es ist wichtig, dass wir Frauen die IT mitpr\u00e4gen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Werdegang: MSc Biochemistry ETHZ, Software Engineering Nachdiplomstudium, Rapperswil<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Wie sind Sie in die IT-Branche gekommen?<\/h3>\n<p><em>Welches war Ihre erste Begegnung mit IT?&nbsp; Wann, wie und warum haben Sie dann Feuer gefangen?<\/em><br \/>\nIch wusste schon immer, dass f\u00fcr mich nur ein MINT Beruf in Frage kommt. Mein erstes konkretes Erlebnis war ein Wettbewerb in einer Themenwoche im Gymi mit einem HP-Taschenrechner. Meine Freundin und ich waren nachts die Einzigen, die die L\u00f6sung noch finden wollten und haben es geschafft!<\/p>\n<p><em>Wie alt waren Sie da?<\/em><br \/>\n17 Jahre<\/p>\n<p><em>Wie alt waren Sie, als es ernst wurde und Sie sich f\u00fcr eine Berufslehre bzw. eine Studienrichtung entscheiden mussten?<\/em><br \/>\n19 Jahre<\/p>\n<p><em>Was f\u00fcr alternative Berufe oder Studienrichtungen haben Sie damals ebenfalls interessiert?<\/em><br \/>\nF\u00fcr mich war klar, dass ich an der ETH studieren wollte, da ich eindeutig mathematisch-naturwissenschaftlich begabt war und an die beste Schule wollte. Ich habe immer Herausforderungen gesucht und wollte schon damals auch beweisen, dass Frauen genauso gut sind. Informatik gab es damals nicht, Elektroingenieur:in wollte ich nicht werden, da mir dann mein \u00e4lterer Bruder immer erkl\u00e4rt h\u00e4tte, wie&rsquo;s l\u00e4uft. Biochemie fand ich sehr spannend und alle hatten grossen Respekt davor, das hat mich angespornt. Eine Alternative w\u00e4re Buchh\u00e4ndlerin gewesen, aber das habe ich u.a. verworfen, weil mir der Aspekt Geld verdienen sehr wichtig war.<br \/>\nZur Informatik kam ich per Zufall nach dem Studium. Ich musste Geld verdienen vor dem dem PhD. Informatik war neu und klang spannend. Den ersten Job bekam ich an Neujahr mit einem Telegram \u00ab\u00a0Leider m\u00fcssen wir auf sie zur\u00fcckkommen\u00a0\u00bb! Dar\u00fcber haben wir noch viele Jahre sp\u00e4ter gelacht. Das internationale Umfeld, die Start-up Atmoph\u00e4re und die t\u00e4gliche Arbeit haben mir so zugesagt, dass ich geblieben bin.<\/p>\n<p><em>Welche Infos hatten Sie damals \u00fcber die Ausbildung und die M\u00f6glichkeiten danach?<\/em><br \/>\nEs gab noch kein Informatikstudium an der ETHZ.<\/p>\n<p><em>Was sprach dagegen aus Ihrer damaligen Sicht?<\/em><br \/>\nNichts<\/p>\n<p><em>Wer, welche Personen, welche Umst\u00e4nde haben f\u00fcr Sie damals gegen eine Laufbahn in der IT gesprochen?<\/em><br \/>\nNiemand, weder meine Familie, mein Partner und noch meine Freunde. Sp\u00e4ter ein paar Arbeitskollegen, aber die waren f\u00fcr mich aus einer anderen Zeit.<\/p>\n<p><em>Was war letztendlich doch ausschlaggebend f\u00fcr Ihren Entscheid, in die IT zu gehen?<\/em><br \/>\nSpass, Geld und weil ich es gut konnte. Und der Antrieb zu zeigen, dass Frauen es genauso gut k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Wer, welche Personen, haben Sie damals unterst\u00fctzt?<\/em><br \/>\nMeine Familie hat mich immer unterst\u00fctzt, selbst\u00e4ndig zu werden und mein eigenes Geld zu verdienen. Obwohl meine Eltern ein sehr klassisches Familienodell gelebt haben, hat mir meine Mutter unbewusst doch etwas Anderes mitgegeben. Sie ist 93 Jahre alt und ich habe das Gl\u00fcck, ihr noch viele Fragen \u00fcber ihr Leben stellen zu k\u00f6nnen. Eine Leben, dass von Migration und Krieg gepr\u00e4gt war und von sehr starken Frauen. Mein Vater hat mir nie das Gef\u00fchl gegeben, ich k\u00f6nnte nicht Ingenieur:in werden. Ich denke die Familie pr\u00e4gt die Berufslaufbahn mehr als wir denken, mehr als die Schule.<\/p>\n<h3>Wie verlief Ihr Weg nach der Ausbildung bzw. nach dem Studium?<\/h3>\n<p><em>Welches waren Ihre ersten Schritte nach dem Studium?<\/em><br \/>\nIch bin direkt in einen Job eingestiegen.<\/p>\n<p><em>Wo standen Sie in Ihrer Karriere f\u00fcnf Jahre nach Ende der Ausbildung\/Studium?<\/em><br \/>\nBeruflich war ich Senior Projekleiterin mit 2 Jahren Auslandaufenthalt in London. Ich lebte in einer langj\u00e4hrigen Partnerschaft und genoss das Partyleben. Der Wunsch nach Kindern wuchs.<\/p>\n<p><em>Hatten Sie<\/em><br \/>\n<em>a) Denselben Lohn wie Ihre m\u00e4nnlichen Kollegen?<\/em><br \/>\nNein. Genau zu dieser Zeit, kam ich aus England zur\u00fcck und sollte meinen alten Job als externe Projektleiterin bei einer Bank wieder aufnehmen. Ich fand per Zufall heraus, dass die Person, die meinen Job in meiner Abwesenheit \u00fcbernommen hatte, klar mehr verdiente. Ich lachte und die Sache war schnell gel\u00f6st. Ein Gl\u00fcck, dass ich es \u00fcberhaupt erfahren habe.<\/p>\n<p><em>b) Dieselben Karrierechancen?<\/em><br \/>\nNein.<br \/>\n<em> Warum nicht?<\/em><br \/>\nKonstanter Bias. Frauen werden im deutschsprachigen Raum selten Technik und F\u00fchrung zugetraut. Wenn sie gut waren, hat oft das \u00ab\u00a0Chefsekret\u00e4rinnen Syndrom\u00a0\u00bb zugeschlagen. Sie arbeiteten viel, machten die Kommunikation und Planung, oft aber ohne offizielle Position im Organigramm. Wichtige Sitzungen finden dann ohne sie statt.<br \/>\nLustige Anekdoten: bei meinem Software-Engineering Nachdiplomstudium in Rapperswil musste ich den Kalender mit nackten Frauen mehrmals ersetzen mit einem von M\u00e4nnern. Und zum Abschluss bekam ich dann &#8211; hochschwanger &#8211; das Diplom als erste mit spezieller Erw\u00e4hnung (Frau). Leider mit dem Titel \u00ab\u00a0Herr Monika Stengl\u00a0\u00bb. Da ich unseren Professor absolut genial fand, konnte ich es, theatralisch lachend, sofort zur\u00fcckweisen.<\/p>\n<h3>Wie sch\u00e4tzen Sie die Entscheidung f\u00fcr die IT r\u00fcckblickend ein?<\/h3>\n<p><em>Welche Ihrer Erwartungen wurden erf\u00fcllt?<\/em><br \/>\nInformatik ist ein fantastischer Beruf! Sie ist kreativ, man muss immer am Ball bleiben und sie wird immer wichtiger. Es macht Spass t\u00e4glich im Team, ausserhalb des Teams und mit den Kunden L\u00f6sungen zu finden.<\/p>\n<p><em>Was freut Sie am meisten an ihrer aktuellen beruflichen Situation?<\/em><br \/>\nDass es immer enorm spannend und herausfordernd ist und ich t\u00e4glich neue Dinge lerne, z.B Machine Learning\/AI. Und es macht mir vor allem auch Spass, mit j\u00fcngeren Leuten zu arbeiten.<\/p>\n<p><em>Welche Ihrer Erwartungen wurden nicht erf\u00fcllt?<\/em><br \/>\nWertsch\u00e4tzung der Arbeit von Frauen in Form von Verantwortung und Kaderpositionenen waren selten.<\/p>\n<p><em>W\u00fcrden Sie denselben Entscheid nochmals treffen?<\/em><br \/>\nGanz sicher. Ich liebe den Beruf.<\/p>\n<p><em>Was bereuen oder kritisieren Sie?<\/em><br \/>\nDer Bias gegen Frauen und Leute, die anders sind, und die \u00ab\u00a0Heimchen am Herd\u00a0\u00bb-Kultur im deutschsprachigen Raum.<\/p>\n<p><em>Wie w\u00e4re\/w\u00fcrde Ihre Laufbahn anders verlaufen, wenn Sie ein Mann w\u00e4ren?<\/em><br \/>\nIch h\u00e4tte vermutlich keinen Karriereknick gehabt nach der Geburt der Kinder.<\/p>\n<p><em>Was w\u00fcrden Sie anders machen, und wie genau, wenn Sie k\u00f6nnten?<\/em><br \/>\nMehr Netzwerke, F\u00fchrungsausbildung und vor der Geburt der Kinder klarstellen, dass ich Karriere machen will (auch meinerseits). Eventuell w\u00fcrde ich es heute wagen, mich selbst\u00e4ndig zu machen.<\/p>\n<p><em>H\u00e4tten Sie einen Zauberstab, was w\u00fcrden Sie sich w\u00fcnschen?<\/em><br \/>\nBeruflich: Dass IT weiblicher und auch sonst diverser wird. Eine Product Owner Stelle. Und dass ich bis 65 arbeiten darf in meiner Firma wie meine Kollegen, da der Rentenverlust eines Jahres n\u00e4mlich erstaunlich hoch ist (7.5%). Ohne Zauberstab: w\u00fcrde auch eine kleine \u00c4nderung der Arbeitsvertr\u00e4ge gen\u00fcgen.<\/p>\n<h3>Was raten Sie Ihrer Tochter?<\/h3>\n<p><em>Welche Ratschl\u00e4ge w\u00fcrden Sie ihrer 15-j\u00e4hrigen Tochter mit auf den Weg geben, wenn sie gern in die IT gehen m\u00f6chte?<\/em><br \/>\nEinfach machen, hohe Ziele setzen und Netzwerke nutzen.<\/p>\n<p><em>Was ist f\u00fcr Sie in beruflicher Hinsicht wichtig im Leben?<\/em><br \/>\nSpass haben an dem, was man macht, damit jeder Tag spannend ist. Die vielen Kontakte mit Kolleg:innen und Kund:innen und immer neuen Herausforderungen. Ausserdem Geld, weil es einem unabh\u00e4ngig macht.<\/p>\n<p><em>Worauf m\u00fcsste eine junge Frau, die im Jahr 2061 pensioniert wird, bei der Gestaltung ihre Laufbahn achten?<\/em><br \/>\nAuf&rsquo;s Bauchgef\u00fchl achten, sich nie runtermachen lassen und ansonsten selbst\u00e4ndig denken und unabh\u00e4ngig sein. Zu den Herausforderungen spontan ja sagen und wenn man sie nicht aufgetischt bekommt, einfach selber kreieren. Den Geldaspekt nicht ausser Acht lassen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/magazine.swissinformatics.org\/fr\/a-stage-for-women-in-it\/\">Zur\u00fcck zur \u00dcbersichtsseite<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>. &nbsp; Monika Stengl Expert Data, Analytics &amp; AI Engineer Jahrgang: 1960 2 Kinder \u201eWenn du neugierig bist, probier&rsquo;s und lass dich \u00fcberraschen, denn IT ist so viel mehr als Programmieren, und es macht richtig Spass. 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