SIDM Editorial Team - 6 Dicembre 2021
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Marianne Gutknecht
 

Marianne Gutknecht

Senior Business Engineer und Leiterin SVV Auswertestelle Bedag

Jahrgang: 1960
2 Kinder

 

Werdegang: Banklehre, Fernstudium Neues Gymnasium Zürich (EDV-Analytikerin), Managementschule BPHI Bern, Ausbildung Junior System Analyst Prime, spezifische Weiterbildungen Datenbanken (u.A. Lehrveranstaltungen relationale DB, C.A. Zehnder/ETH), Prime Computer Boston (OS), objektorientierte Programmierung uvm.

 

Wie sind Sie in die IT-Branche gekommen?

Welches war Ihre erste Begegnung mit IT?   Wann wie und warum haben Sie dann Feuer gefangen?
Nach der Banklehre, einem Sprachaufenthalt in England und meiner ersten Anstellung als Sachbearbeiterin Bereich Spedition/Logistik in der Suisse Romande 1980 stiess ich auf ein spannendes Inserat: Alleinsekretärin bei einem IT-Unternehmen mit der Möglichkeit, bei Ausstellungen und Messen mitzuwirken. Neugier und Freude an den Sprachen und Menschen und der Wunsch, etwas zu bewirken, haben mich bewogen, mich für diesen Job im Jahre 1982 zu bewerben. Nach zwei Assessments (Bern und Zürich) hatte ich die Zusage.

Wie alt waren Sie da?
22 Jahre

Wie alt waren Sie, als es ernst wurde und Sie sich für eine Berufslehre bzw. eine Studienrichtung entscheiden mussten?
Ich war 15 Jahre, als ich mich für eine Berufslehre entscheiden musste.

Was für alternative Berufe oder Studienrichtungen haben Sie damals ebenfalls interessiert?
Ich konnte damals mit 15 Jahren noch für keine Ausbildungsrichtigung so richtig Feuer fangen. Optionen wie Lehrerin oder kaufmännische Berufe habe ich mir angeschaut.

Welche Infos hatten Sie damals über die Ausbildung und die Möglichkeiten danach?
Nicht viel, vor allem zur Richtung Informatik nicht. Damals war es vor allem wichtig, erstmal eine Lehre absolviert zu haben. Eine Banklehre war damals vielversprechend.

Was sprach dagegen aus Ihrer damaligen Sicht?
Damals gab es die heute bekannten IT-Berufsbilder und Fachrichtungen nicht. Ich war einfach offen und neugierig. Die Programme und die Möglichkeiten der Automatisierung faszinierten mich.

Wer, welche Personen, welche Umstände haben für Sie damals gegen eine Laufbahn, in der IT zu gesprochen?
Zweifel hatte ich damals keine. Es war eine andere Zeit. Ich bin eingetaucht zuerst in eine IT Office Umgebung (Word, Tabellenkalkulation – endlich keine Schreibmaschine mehr – weder Kohle- noch Durchschlagpapier). Danach folgte die Programierung von Anwendungen mit 4GL-Werkzeugen (DB, Scriptsprache, GUI) bis hin zur objektorientierten Programmierung in Smalltalk und Java.

Was war letztendlich doch ausschlaggebend für Ihren Entscheid, in die IT zu gehen?
Neugier, Wissensdrust, Selbständigkeit und der Wunsch, etwas bewirken zu können. Ich kannte keine Sorgen und Ängste und hatte das Gefühl, dass mir die Welt offen steht. Es war spannend in den 80er Jahren, mich mit meinen Kollegen aus aller Welt zu vernetzen und über das damals unternehmenseigene Netzwerk (X.25 Protokoll) zu chatten und zu mailen. Wer mehr wissen will aus alten Zeiten, siehe X.25

Wer, welche Personen, haben Sie damals unterstützt
Meine Eltern haben mich hier sehr unterstützt, nicht materiell – sie haben mich meinen Weg gehen lassen, und sollte ich ihnen einmal Sorgen bereitet haben, haben sie mich das nicht spüren lassen. Die Förderung und Ausbildung der Mitarbeitenden erfolgte in den 80er und 90er Jahren vor allem durch die IT-Unternehmen selbst.

Wie verlief Ihr Weg nach der Ausbildung bzw. nach dem Studium?

Welches waren Ihre ersten Schritte nach dem Studium?
Ende der 70er und anfangs der 80er Jahre gab es noch kein breites Angebot an Fachrichtungen und und schon gar keine Berufslehre als Informatikerin. Die Ausbildungsangebote meines damaligen Arbeitgebers ermöglichten mir, Weiterbildungen in den USA, England, Dänemark, Deutschland etc. zu besuchen. Weltreise war also damals im kleineren Rahmen inklusive.

Wo standen Sie in Ihrer Karriere fünf Jahre nach Ende der Ausbildung/Studium?
Als ich 1982 meinen Job bei einem Hersteller von 32-bit Superminicomputern antrat, waren die ersten 5 Jahre geprägt von «Training-on-the-Job» und Weiterbildungsblöcken in verschiedenen Bereichen (Betriebssysteme, Datenbanken, Programmierung). Ich hatte Feuer gefangen für die Informatik und Freude am Job. Familienplanung hingegen war für mich zwischen 20 – 30 Jahren kein Thema.

Hatten Sie
a) Denselben Lohn wie Ihre männlichen Kollegen?
b) Dieselben Karrierechancen?
Das war damals eine andere Zeit. Je näher die biologische Uhr tickte «Frau wird einmal Kinder haben», hatte «Frau» nicht mehr die gleichen Bedingungen. Militärische Karriere war damals auch gern gesehen, zumal Kinder auf die Welt stellen und noch arbeiten wollen, nicht dem Frauenbild in den 80er und 90er Jahren entsprach. Das hatte ganz klar damals auch Einfluss auf meine Karriere und auf meinen Lohn. Ich habe meine Arbeit geliebt, und wir wollten auch Kinder. Der soziale Druck war damals gross, dem Rollenmodell zu entsprechen. Glücklicherweise hatte ich damals einen Vorgesetzten, der meine Arbeit schätzte und mir bereits 1993 eine 40% Stelle im Home-Office anbot. Es scheint mir manachmal etwas surreal, wie sich die Zeiten geändert haben, wenn ich heute nach der Pandemie darauf zurückblicke.

Wie schätzen Sie die Entscheidung für die IT rückblickend ein?

Welche Ihrer Erwartungen wurden erfüllt?
Ja ganz klar, ich würde mich nochmals für den gleichen Weg entscheiden, zumal sich IT-spezifischen Fachrichtungen mit fachlichen Bereichen und Anforderungen auseinandersetzen. Das eröffent sehr viele Möglichkeiten sich einzubringen.

Was freut Sie am meisten an ihrer aktuellen beruflichen Situation?
Der Kontakt mit den Menschen und sich Techniken und Methodiken aneignen zu können, welche mich in meiner Arbeit unterstützen, um definierte Ziele (Produkte, Lösungen) zu erreichen.

Welche Ihrer Erwartungen wurden nicht erfüllt?
Ganz ehrlich, mir fällt dazu grad nichts ein.

Würden Sie denselben Entscheid nochmals treffen?
Ja, es ist eine spannende Tätigkeit, welche mit vielen unterschiedlichen Fachrichtungen sehr viele Optionen bietet, sich einzubringen und etwas zu bewirken.

Was bereuen oder kritisieren Sie?
Frauen hatten damals ganz klar nicht die gleichen Chancen und auch nicht den gleichen Lohn. Das habe ich auch zu spüren bekommen. Das hat sich zum Glück geändert.

Wie wäre/würde Ihre Laufbahn anders verlaufen, wenn Sie ein Mann wären?
Ich würde eine Software-Firma oder IT- Abteilung leiten.

Was würden Sie anders machen, und wie genau, wenn Sie könnten?
Ich würde mir mehr zutrauen und mehr fordern.

Hätten Sie einen Zauberstab, was würden Sie sich wünschen?
Das mit dem Zauberstab ist so eine Sache, es braucht ja auch Zufriedenheit. Der Weg dahin kann manchmal beschwerlich sein, aber auch erfüllend. So etwas schnell herzaubern … Ich weiss nicht, ob ich dann auch zufrieden wäre.

Was raten Sie Ihrer Tochter?

Welche Ratschläge würden Sie ihrer 15-jährigen Tochter mit auf den Weg geben, wenn sie gern in die IT gehen möchte?
Offen und interessiert seinen Weg zu gehen und seine Erfahrungen zu sammeln. Die IT bietet hier sehr viele spannende Fachrichtungen. Es wird dir garantiert nie langweilig :)!

Was ist für Sie in beruflicher Hinsicht wichtig im Leben?
Erfüllung, Freude haben am Job, Akzeptanz und eine gute Work-Life-Balance.

Worauf müsste eine junge Frau, die im Jahr 2061 pensioniert wird, bei der Gestaltung ihre Laufbahn achten?
Sich etwas zutrauen und auch zu wissen, niemand ist perfekt – jeder bringt seine Stärken ein. Dem Konkurrenzdruck mit Selbstsicherheit, Kompetenz und Gelassenheit begegnen und sich etwas zutrauen. Work-Life-Balance ist für mich wichtig. Es ist wichtig, andere Interessen zu haben (Hobbys, Familie, …) und der Gesundheit zuliebe das Business regelmässig ruhen zu lassen. Trotz allem Engagement, die Welt dreht sich weiter.

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