IT Feuer – Nathalie Aeby

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Nathalie Aeby
 

Nathalie Aeby

ICT System-Ingenieurin

Alter: 21
Keine Kinder

„Informatik ist so ein grosser Bereich, da ist für jede und jeden etwas dabei.“

Werdegang: 2016-2020 Lehre als Informatikerin Fachrichtung Systemtechnik beim BIT, ab 2020 berufsbegleitend Bachelor of Science in Informatik, ab 2020 ICT System-Ingenieurin beim BIT.

 

Wie sind Sie in die IT-Branche gekommen?

Welches war Ihre erste Begegnung mit IT?   Wann, wie und warum haben Sie dann Feuer gefangen?
Mein Onkel ist Informatiker und er hat somit bei uns zu Hause immer bei der Einrichtung von Computern, Druckern etc. geholfen. Ich habe es geliebt ihm zuzuschauen und fand es stets interessant, was man mit dem Computer alles machen kann. Ich habe schon früh, mit 10 Jahren, einen eigenen Computer erhalten und erlebte Technik immer als etwas sehr Spannendes.

Wie alt waren Sie da?
Ich war damals 10 Jahre alt.

Wie alt waren Sie, als es ernst wurde und Sie sich für eine Berufslehre bzw. eine Studienrichtung entscheiden mussten?
Ich habe mich mit 16 Jahren für eine Berufslehre entschieden und mit 20 Jahren für das Studium.

Was für alternative Berufe oder Studienrichtungen haben Sie damals ebenfalls interessiert?
Als es um die Berufswahl ging, habe ich nicht direkt an Informatik gedacht. Ich ging Confiseurin schnuppern, interessierte mich für den Beruf Anwältin und noch vieles mehr. Ich habe mich sehr breit informiert. Meine Mutter überzeugte mich, als Informatikerin schnuppern zu gehen, da ich es ja schon als Kind sehr spannend fand. Als ich mehrere Informatik Schnuppertage besucht hatte, wusste ich: das ist mein Beruf. Der Beruf überzeugte mich, da ich die Chance habe, jeden Tag etwas Neues zu lernen, in vielen verschiedenen Bereichen tätig zu sein und natürlich die Technik. So habe ich mich für die Lehre als Informatikerin Fachrichtung Systemtechnik entschieden. Die Lehre hat mir sehr viel Spass gemacht und ich wollte mich danach unbedingt in der Informatik weiterbilden. Aus diesem Grund waren die zwei Studiengänge Bachelor Informatik oder Medizininformatik für mich eine Option. Ich habe mich nach den Informationsveranstaltungen für Informatik entschieden, da ich zu wenig Interesse an Medizin habe, aber dafür ein sehr grosses Interesse an Technik, Programmieren und logischem Denkvermögen.

Welche Infos hatten Sie damals über die Ausbildung und die Möglichkeiten danach?
Als ich die Lehre als Informatikerin gestartet hatte, wusste ich, dass ich durch die BMS nach der Lehre die Möglichkeit habe mich weiterzubilden. Mir war aber nicht genau bewusst, in welche Richtungen/welche Studiengänge.

Was sprach dagegen aus Ihrer damaligen Sicht?
Informatikerin habe ich als erstes in einer kleinen Informatikfirma mit etwa 5 Mitarbeitern geschnuppert. Als ich am Schnuppertag ankam, war der Pausenraum voller Frauenwitze. Auch die Einstellung der Mitarbeiter bezüglich Frauen in der IT war nicht sehr positiv. Das hat mich mit 16 Jahren sehr verunsichert. Als ich mich aber in grösseren Unternehmen erkundigt habe, traf ich auf eine positive Einstellung gegenüber Frauen. Das hat mir die Angst wieder sehr genommen und ich bin heute froh, hat mir dieser eine schlechte Eindruck nicht meine Berufswahl versaut.

Wer, welche Personen, welche Umstände haben für Sie damals gegen eine Laufbahn, in der IT zu gesprochen?
Als ich mich dazu entschieden habe, eine Lehrstelle als Informatikerin zu suchen, war meine Lehrperson sehr skeptisch. Sie hat mir gesagt, dass ich als Frau sowieso keine Lehrstelle in der IT Brache finden werde und ich lieber eine zweite Option offen haben sollte.

Was war letztendlich doch ausschlaggebend für Ihren Entscheid, in die IT zu gehen?
Ausschlaggebend war der Beruf an sich. Mich fasziniert die IT sehr, und ich habe meinen Traumberuf gefunden, egal was andere Personen dazu sagen.

Wer, welche Personen, haben Sie damals unterstützt?
Meine Familie hat mich sehr unterstützt in der Berufswahl, aber auch mit der Entscheidung in die Informatik zu gehen.

Wie verlief Ihr Weg nach der Ausbildung bzw. nach dem Studium?

Welches waren Ihre ersten Schritte nach dem Studium?
Nach der Lehre habe ich einen Job in meinem ehemaligen Lehrbetrieb erhalten und mit dem Studium begonnen.

Wo standen Sie in Ihrer Karriere fünf Jahre nach Ende der Ausbildung/Studium?
Das kann ich nicht beantworten, da ich noch nicht fünf Jahre die Ausbildung abgeschlossen habe.

Hatten Sie
a) Denselben Lohn wie Ihre männlichen Kollegen?
Ja, ich habe derzeit den gleichen Lohn wie die anderen Lehrabgänger.
b) Dieselben Karrierechancen?
Auch von den Karrierechancen habe ich bis jetzt die gleichen Chancen wie meine männlichen Kollegen.

Wie schätzen Sie die Entscheidung für die IT rückblickend ein?

Welche Ihrer Erwartungen wurden erfüllt?
Ich habe sehr gehofft, dass ich in meinem Beruf als Frau akzeptiert und respektiert werde und dies hat sich meistens sehr gut bewährt. Es gibt natürlich immer noch einzelne Ausnahmen.

Was freut Sie am meisten an ihrer aktuellen beruflichen Situation?
Ich finde es super, dass ich in meinem Beruf jeden Tag gefordert werde. Ich trage sehr viel Verantwortung, habe die Möglichkeit Entscheidungen zu treffen und meine Meinung zu vertreten. Zudem lerne ich jeden Tag dazu. Ich bin sehr zufrieden mit meinem jetzigen Job.

Welche Ihrer Erwartungen wurden nicht erfüllt?
Eigentlich keine.

Würden Sie denselben Entscheid nochmals treffen?
Ja, ich würde nochmals die gleiche Entscheidung treffen.

Was bereuen oder kritisieren Sie?
Ich bereue, dass ich als 16 Jahre altes Mädchen mich von aussenstehenden Personen bezüglich IT verunsichern liess. Das habe ich in den letzten Jahren gelernt. Egal was andere Leute denken, solange es für mich stimmt und mich glücklich macht, ziehe ich meinen Weg durch.

Wie wäre/würde Ihre Laufbahn anders verlaufen, wenn Sie ein Mann wären?
Ich glaube nicht, aber ich vermute, ich hätte früher gewusst, dass ich in die Informatik will.

Was würden Sie anders machen, und wie genau, wenn Sie könnten?
Zurückblickend hätte ich der Lehrperson, aber auch dem Schnupperbetrieb diese frauenfeindlichen Aussagen nicht einfach durchlassen sollen, sondern für mich und meinen Weg einstehen. Aus diesem Grund mache ich auch hier bei diesem Interview mit. Ich möchte, dass alle Mädchen da draussen wissen, dass wir die gleichen Chancen und die gleichen Möglichkeiten haben wie die Männer und wir andere Meinungen nicht akzeptieren sollen.

Hätten Sie einen Zauberstab, was würden Sie sich wünschen?
Dass Frau und Mann nicht nur vor dem Gesetz als gleich angesehen werden, sondern auch in der Gesellschaft. Somit würden „Männerberufe“ nicht mehr existieren und ich hätte in der IT mehr Arbeitskolleginnen 😊.

Was raten Sie Ihrer Tochter?

Welche Ratschläge würden Sie ihrer 15-jährigen Tochter mit auf den Weg geben, wenn sie gern in die IT gehen möchte?
Dass sie genau das machen soll, was sie will und was sie glücklich macht. Niemand sollte sie auf ihrem Weg verunsichern. Aber auch hier würde ich ihr einen Grossbetrieb für den Start empfehlen, einfach aus meiner Erfahrung.

Was ist für Sie in beruflicher Hinsicht wichtig im Leben?
Dass man einen Beruf ausübt, in dem man jeden Tag fröhlich aufsteht.

Worauf müsste eine junge Frau, die im Jahr 2061 pensioniert wird, bei der Gestaltung ihre Laufbahn achten?
Dass sie ihr Leben so lebt, dass es ihr Spass macht und sie glücklich damit ist.

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