Warum braucht die SI Ethikrichtlinien?

Warum braucht die SI Ethikrichtlinien?

Auch wenn sie nicht immer so heissen, haben doch alle Berufsorganisationen Ethikrichtlinien. Diese Richtlinien helfen den Mitgliedern, sich in für die jeweilige Gruppe spezifischen ethischen Konfliktsituationen („richtig“) zu entscheiden. Ist es zum Beispiel für InformatikerInnen ethisch verantwortbar, an einem Projekt mitzuarbeiten, mit dessen Hilfe die Kriegsführung durch Drohnen optimiert wird? Fragen wie diese haben sich gerade in jüngster Zeit vielen unserer KollegInnen in USA gestellt (s. die Links am Ende des Textes).

Ethikrichtlinien sind kein unpersönlicher, binärer Algorithmus, in dem man eine ethische Fragestellung eingeben könnte, so dass alle Menschen die gleiche Antwort (Ja oder Nein) erhalten würden. Richtlinien formulieren allgemeine und fachlich/berufliche Werte, an denen sich InformatikerInnen orientieren können, um zu einer ethischen Entscheidung zu kommen. Dies bedeutet auch, dass in vielen Fällen unterschiedliche Personen auf Basis der Ethikrichtlinien zu unterschiedlichen Schlüssen kommen können.

Warum muss der SI-Ethikcode überarbeitet werden?

Die bisher gültigen „alten“ Ethikrichtlinien wurden an der Generalversammlung 2005 verabschiedet, also z.B. noch vor der Erfindung des iPhone. Seit der letzten Aktualisierung hat die Informatik unsere Gesellschaft und Wirtschaft noch viel stärker durchdrungen, und die Arbeit von InformatikerInnen hat heute weit grössere Auswirkungen auf das Leben aller Menschen. Daraus folgt auch eine noch grössere Verantwortung von uns InformatikerInnen, die Digitalisierung möglichst gesellschaftsverträglich mitzugestalten, z.B. in dem wir unseren MitbürgerInnen nicht nur die Chancen, sondern auch die Risiken der Digitalisierung bewusst machen.

Insgesamt sind die neuen Ethikrichtlinien den alten sehr ähnlich. Änderungen gibt es vor allem dort, wo der Code Antworten und Hilfestellungen für den Umgang mit den disruptiven Aspekten der Digitalisierung bieten will (Künstliche Intelligenz, Datenschutz und Privacy).

Warum wurde der Ethikcode der ACM übernommen?

Wir haben auch für den neuen Code den unserer US-amerikanischen Schwestergesellschaft, der ACM, übernommen. Zum einen sind wir fachlich/inhaltlich von ihm überzeugt, insbesondere weil er versucht, Fragestellungen aufgrund von neuen Entwicklungen (künstliche Intelligenz, soziale Netzwerke) aufzugreifen. Ausserdem ging der Aktualisierung des Codes innerhalb der ACM eine überaus intensive Diskussion voraus, von der wir nun profitieren können. Nicht zuletzt ist die Übernahme des Codes auch ein Ausdruck unserer Einbettung in das weltweite Netz von InformatikerInnen und Informatikgesellschaften.

Nicht geändert hat sich die Struktur der Ethikrichtlinien. Sie bestehen nach wie vor aus vier Teilen:

1) Allgemeine Prinzipien über die Rolle und Verantwortung der InformatikerInnen in der Gesellschaft;
2) Prinzipien bzgl. Informatik als Beruf;
3) Prinzipien für InformatikerInnen, die eine Vorbildfunktion haben, sei es als Vorgesetzte, Experte, Lehrer oder Ausbilder;
4) Die Durchsetzung des Codes.

Wir hoffen, dass die neuen Ethikrichtlinien gelebt werden und den SI-Mitgliedern Hilfe und Unterstützung in ethischen Fragen bieten. Die Fachgruppe „Informatik und Gesellschaft“ ist immer interessiert und bereit, persönliche wie auch allgemeine Fragen und Probleme der IT-Ethik zu diskutieren.

Die Fachgruppe “Informatik und Gesellschaft” der SI hat die Ethikrichtlinien der SI überarbeitet und wird sie der Generalversammlung 2019 zur Annahme vorlegen.

 

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Arthur Clay is a producer and manager of events for art and the sciences. He is the founder and the director of Digital Art Weeks International and the Virtuale Switzerland. As author, he has published widely on technology and art and has received awards for both.