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IT Feuer – Ulrike Glavitsch

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Ulrike Glavitsch
 

Ulrike Glavitsch

CTO in eigener Startup-Firma

Alter: 58
Keine Kinder

„Die IT ist vielfältig, interdisziplinär und bietet viele Berufsmöglichkeiten.“

Werdegang: Dipl. Inf.-Ing. ETH · Master of Science, Stanford Unversity, USA · Seit mehr als 30 Jahren in der Software-Entwicklung und der angewandten Forschung tätig.

 

Wie sind Sie in die IT-Branche gekommen?

Welches war Ihre erste Begegnung mit IT?   Wann, wie und warum haben Sie dann Feuer gefangen?
Ich habe erst im ersten Studiensemester zum ersten Mal mit einem Computer gearbeitet, in meiner Kantonsschule mit Typus B wurden keine Kurse mit programmierbaren Taschenrechnern angeboten. Das IT-Feuer hat sich erst nach einigen Semestern eingestellt. Es war Liebe auf den zweiten Blick, sie ist aber geblieben bis heute.

Wie alt waren Sie da?
20 Jahre.

Wie alt waren Sie, als es ernst wurde und Sie sich für eine Berufslehre bzw. für eine Studienrichtung entscheiden mussten?
20 Jahre.

Was für alternative Berufe oder Studienrichtungen haben Sie damals ebenfalls interessiert?
Mathematik und Elektrotechnik. Vom Studium der Mathematik hat mir mein Mathematik- und Klassenlehrer abgeraten. Er meinte, mit einem Mathematikstudium wird man entweder Lehrer oder Lehrerin oder muss so gut in der Forschung sein, dass es für eine akademische Karriere reicht. Im Lehrberuf habe ich mich nicht gesehen und die akademische Karriere ist im Alter von 20 Jahren noch sehr weit weg. Elektrotechnik war mir zu technisch, hatte zu viel mit Strom und Schaltungen zu tun, deshalb habe ich diese Richtung auch nicht gewählt.

Welche Infos hatten Sie damals über die Ausbildung und die Möglichkeiten danach?
Es gab sehr wenig Information. Ich kann mich nicht erinnern, dass es Informationstage zum Informatik-Studium bereits gab, denn die Studienrichtung wurde erst 1981 gegründet und ich begann 1983.

Was sprach dagegen aus Ihrer damaligen Sicht?
Ich wusste sehr wenig über das Informatikstudium und über die Berufsaussichten.

Wer, welche Personen, welche Umstände haben für Sie damals gegen eine Laufbahn, in der IT zu gesprochen?
Es war zu neuartig. Es gab ja keine Leute, die dieses Studium bereits absolviert hatten. Auch das Berufsbild war nicht konkret. Man hat keine Computer im Alltag gesehen und somit auch keine Software. So wusste ich nicht, was Programmieren eigentlich war.

Was war letztendlich doch ausschlaggebend für Ihren Entscheid, in die IT zu gehen?
Mein Mathematiklehrer hat mich mit seinen Argumenten am meisten überzeugt, auch mein Vater, selber Elektroingenieur meinte, dass ich mit diesem Studium viele Möglichkeiten habe.

Wer, welche Personen, haben Sie damals unterstützt?
Meine Eltern, mein Mathematiklehrer und ein sehr guter Freund haben mich immer unterstützt, das Studium zu wählen und dabei zu bleiben.

Wie verlief Ihr Weg nach der Ausbildung bzw. nach dem Studium?

Welches waren Ihre ersten Schritte nach dem Studium?
Ich wollte nach dem Studium unbedingt für Graduate Studies an eine Hochschule in den USA und bin an der Stanford University in Kalifornien für ein Masterstudium aufgenommen worden. Deshalb habe ich direkt nach dem Studium 2 Monate bei einer Firma Software entwickelt, um Geld zu verdienen, und bin dann in die USA gereist.

Wo standen Sie in Ihrer Karriere fünf Jahre nach Ende der Ausbildung/Studium?
Beruflich: Ich war Software-Entwicklerin bei Schmid Telecom AG in Zürich im Bereich Luftverkehrssteuerung.
Privat: Ich hatte einen Freund, der seit 25 Jahren mein Ehemann ist.

Hatten Sie
a) Denselben Lohn wie Ihre männlichen Kollegen?
Ja.

b) Dieselben Karrierechancen?
Ja, Schmid Telecom AG hat mich nach zwei Jahren zur Gruppenleiterin befördert.

Wie schätzen Sie die Entscheidung für die IT rückblickend ein?

Welche Ihrer Erwartungen wurden erfüllt?
Informatik ist ein Studium mit unzähligen Möglichkeiten.

Was freut Sie am meisten an ihrer aktuellen beruflichen Situation?
Ich bin weiterhin als Software-Entwicklerin unterwegs, kann Neues lernen und ein kleines Unternehmen führen.

Welche Ihrer Erwartungen wurden nicht erfüllt?
Mit 20 habe ich mir alles einfacher vorgestellt. Software-Entwicklung und angewandte Forschung sind Herausforderungen, wo man Rückschläge in Kauf nehmen muss. Projekte können scheitern oder nach einer gewissen Zeit beerdigt werden.

Würden Sie denselben Entscheid nochmals treffen?
Ja.

Was bereuen oder kritisieren Sie?
Der Einstieg in die Informatik Im Jahr 1983, als die Abteilung Informatik an der ETH erst zwei Jahre bestand, war schwierig. Der Studienplan war noch recht unausgereift. Auf der anderen Seite war es spannend, in ein so neues Gebiet einzusteigen und es wachsen zu sehen.

Wie wäre/würde Ihre Laufbahn anders verlaufen, wenn Sie ein Mann wären?
Ich habe keine Nachteile als Frau in der IT erfahren, deshalb würde ich meinen, dass meine Laufbahn gleich verlaufen wäre. Es war meine bewusste Entscheidung, zurück in an die Hochschule zu gehen und nicht in der Industrie weiter Karriere zu machen.

Was würden Sie anders machen, und wie genau, wenn Sie könnten?
Ein zweites Mal hätte ich mehr Mut und Vertrauen, dass alles schon richtig herauskommen wird. Oft kann man Dinge nicht konkret beeinflussen.

Hätten Sie einen Zauberstab, was würden Sie sich wünschen?
Ich wünsche mir, dass viel mehr junge Frauen einen Beruf in der IT wählen und sich davon begeistern lassen.

Was raten Sie Ihrer Tochter?

Welche Ratschläge würden Sie ihrer 15-jährigen Tochter mit auf den Weg geben, wenn sie gern in die IT gehen möchte?
Sie soll ihren Weg in der IT mit Mut und Vertrauen gehen. Die IT ist vielfältig, sie findet sicher ein Gebiet, das ihr gefallen wird.

Was ist für Sie in beruflicher Hinsicht wichtig im Leben?
Es ist wichtig, dass man das Engagement für den Beruf nicht verliert. Das IT-Feuer soll möglichst nicht erlöschen.

Worauf müsste eine junge Frau, die im Jahr 2061 pensioniert wird, bei der Gestaltung ihre Laufbahn achten?
Die junge Frau soll eine Studienrichtung wählen, bei der sie sich und möglicherweise auch eine Familie ernähren kann. Man weiss nie, was im Leben alles passiert. Junge Frauen sollen auch bei der Stellenwahl nicht zu klein denken und Aufstiegschancen wahrnehmen. Auch Beharrlichkeit gehört dazu.

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Ulrike Glavitsch

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