IT Feuer – Angelika Bieri Bürki

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Angelika Bieri Bürki
 

Angelika Bieri Bürki

Product Owner Change- and Releasemanagement

Alter: 57
keine Kinder

“Informatik ist nicht nur für Nerds, sondern bietet eine breite Palette spannender Tätigkeiten.”

Werdegang: ursprünglich Berufslehre in der Gastronomie, im Alter von 20 Jahren Wechsel in die Informatik als Quereinsteigerin: Datatypistin, System- und Network Operatrice, diplomierte Informatikerin

 

Wie sind Sie in die IT-Branche gekommen?

Welches war Ihre erste Begegnung mit IT?   Wann wie und warum haben Sie dann Feuer gefangen?
Ich bin zufällig in der IT gelandet. Nach einem beruflichen Auslandaufenthalt habe ich in der Schweiz einen neuen Job ausserhalb der Gastronomie gesucht. Meine Schwester hatte damals in einem Unternehmen als Datatypistin gearbeitet. Dort wurden immer wieder Leute gesucht, welche dann intern angelernt wurden. Vorkenntnisse waren keine notwendig.

Wie alt waren Sie da?
20

Wie alt waren Sie, als es ernst wurde und Sie sich für eine Berufslehre bzw. eine Studienrichtung entscheiden mussten?
14 – 15, als ich mich für eine Lehre entscheiden musste. Studieren war in meiner Familie kein Thema.

Was für alternative Berufe oder Studienrichtungen haben Sie damals ebenfalls interessiert?
Stewardess (heute Flugbegleiterin) war mein Traumberuf. Arbeiten und gleichzeitig etwas von der Welt sehen. Vor 40 Jahren war das noch so.
Die Lehre in der Gastronomie als Servicefachangestellte sollte der Grundstein sein mit anschliessenden Aufenthalten in England und der französischen Schweiz, um die Sprache zu lernen. Nach zwei Jahren im erlernten Beruf habe ich aber festgestellt, dass mein zukünftiger vermeintlicher Traumberuf nicht mehr mein Traum war.

Welche Infos hatten Sie damals über die Ausbildung und die Möglichkeiten danach?
Keine, es war Zufall, dass ich in der IT gelandet bin. Informatik war 1984 noch ein unbekannter Berufszweig in der Schule oder der Berufsberatung. So gab z.B. noch keine Berufslehre in der IT.

Was sprach dagegen aus Ihrer damaligen Sicht?
Siehe vorherige Frage

Wer, welche Personen, welche Umstände haben für Sie damals gegen eine Laufbahn, in der IT zu gesprochen?
Siehe vor-vorherige Frage

Was war letztendlich doch ausschlaggebend für Ihren Entscheid, in die IT zu gehen?
Es war eine Chance, ohne Vorbedingungen oder Vorkenntnisse etwas Neues zu lernen.

Wer, welche Personen, haben Sie damals unterstützt?
Als erstes meine Schwester, die mich auf die Stelle als Datatypstin in ihrem Unternehmen aufmerksam gemacht hatte.
Dann hatte ich immer wieder das Glück, Vorgesetzte zu haben, die Nachwuchs förderten, egal ob Mann oder Frau.
Ich habe mich schon nach kurzer Zeit als Datatypsitin für eine Weiterentwicklung Richtung System Operating interessiert und mich auf eine entsprechende Stelle in einer anderen Firma beworben. Als ich meinem damaligen Chef die Kündigung überreichte, meinte dieser: «Aber Fräulein Bieri! Das können sie doch in unserer Firma auch machen!» Dann hat er zum Telefon gegriffen.
Als erstes musste ich beim psychologischen Dienst des Unternehmens einen Eignungstest absolvieren. Anschliessend von St. Gallen nach Bern umziehen. Dort habe ich im Data Center meine neue Stelle System- und Network Operatrice angetreten. Für Zweifel blieb keine Zeit. Alles was ich für die Arbeit wissen musste, wurde mir und vier anderen Neulingen (eine Frau, drei Männer) über Monate von erfahrenen Kollegen beigebracht. Es war eine sehr spannende Phase.

Wie verlief Ihr Weg nach der Ausbildung bzw. nach dem Studium?

Welches waren Ihre ersten Schritte nach dem Studium?
Die Ausbildung verlieft “on the job”. Parallel dazu konnte ich notwendige Fachkurse extern besuchen. Schon damals war der Veränderungstakt sehr hoch, so dass es immer wieder etwas dazuzulernen gab. Erst viel später habe ich parallel zur Arbeit auf dem zweiten Bildungsweg den Fachausweis und dann das eidgenössische Diplom als Informatikerin nachgeholt.

Wo standen Sie in Ihrer Karriere fünf Jahre nach Ende der Ausbildung/Studium?
Nach den ersten Jahren im System- und Network Operating hatte ich die Chance zu 50% als Ausbildnerin von Neuzugängerinnen und Neuzugängern tätig zu sein. Ein Jahr später, wurde ich Shift Managerin im Data Center.
Ich war 100% berufstätig und lebte in einer Partnerschaft mit meinem heutigen Ehemann.

Hatten Sie
a) Denselben Lohn wie Ihre männlichen Kollegen?
Beim ersten Unternehmen, bei dem ich in der IT gearbeitet habe, gab es Lohnklassen. Die Einstufung war abhängig von Funktion, Alter und Dienstjahren. Das Geschlecht war nicht relevant.
Bei den darauffolgenden Arbeitgebern war diese Transparenz nicht vorhanden. Da der Lohn nach wie vor ein verschwiegenes Thema ist, kann ich es nicht beurteilen.

b) Dieselben Karrierechancen?
Ja, ich hatte schon damals sehr fortschrittliche Vorgesetzte. Neugierde, Engagement und Wille waren entscheidend, nicht das Geschlecht.

Wie schätzen Sie die Entscheidung für die IT rückblickend ein?

Welche Ihrer Erwartungen wurden erfüllt?
Ich konnte in einer relativ jungen Branche mit viel Zukunftspotenzial Fuss fassen. Es gab damals noch Kettendrucker, die mit Lochstreifen betrieben wurden oder Real-Time-Konsolen in Form von Schreibmaschinen. Software wurde auf Lochkarten entwickelt.
Ich durfte viele interessante Entwicklungen und Projekte miterleben. Mit der Digitalisierung wurde ein weiteres neues Kapitel aufgeschlagen, und es wird bestimmt nicht das letzte sein.

Was freut Sie am meisten an ihrer aktuellen beruflichen Situation?
Ich schätze es, in einem agilen Umfeld zu arbeiten, das viel Abwechslung bringt und viel Raum für Selbstständigkeit bietet.

Welche Ihrer Erwartungen wurden nicht erfüllt?
Keine

Würden Sie denselben Entscheid nochmals treffen?
Jein

Was bereuen oder kritisieren Sie?
Ich würde als erstes mehr in die Schulbildung investieren.

Wie wäre/würde Ihre Laufbahn anders verlaufen, wenn Sie ein Mann wären?
Nein, das denke ich nicht. Es gab in jungen Jahren schon immer wieder Situationen, in denen ich mich als Frau zuerst beweisen musste. Das war aber nicht von Dauer. Offenheit und eine gesunden Portion Selbstvertrauen hilft. Und manchmal gehört einfach auch noch ein bisschen Glück dazu.

Was würden Sie anders machen, und wie genau, wenn Sie könnten?
Heute würde ich mehr in meine Basisbildung investieren, um schon in jungen Jahren einen qualifizierten Schul- und Studienabschluss zu erreichen.

Hätten Sie einen Zauberstab, was würden Sie sich wünschen?
Einen freien Wunsch für jeden Menschen der Welt.

Was raten Sie Ihrer Tochter?

Welche Ratschläge würden Sie ihrer 15-jährigen Tochter mit auf den Weg geben, wenn sie gern in die IT gehen möchte?
Schaff dir eine gute Ausbildungsgrundlage und glaub an dich.

Was ist für Sie in beruflicher Hinsicht wichtig im Leben?
Die Tätigkeit soll Freude machen. Andernfalls ist es Zeit für eine Veränderung.

Worauf müsste eine junge Frau, die im Jahr 2061 pensioniert wird, bei der Gestaltung ihre Laufbahn achten?
Laufend in die Weiterbildung investieren, sich ein gutes berufliches Netzwerk aufbauen und immer mindestens einen Fuss im Arbeitsleben behalten.

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