IT Feuer – Carolin Baumgartner

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Carolin Baumgartner
 

Carolin Baumgartner

Sicherheitsbeauftragte der Steuerverwaltung des Kantons Bern, Dozentin UniFr

Jahrgang: 1981
Ein Kind

„Einfach machen 😊.“

Werdegang: Gymnasium in Berlin · Informatikstudium Uni Bern · Dr. in Informatik Uni Fribourg

 

Wie sind Sie in die IT-Branche gekommen?

Welches war Ihre erste Begegnung mit IT?   Wann, wie und warum haben Sie dann Feuer gefangen?
Wir hatten einfach früh schon Computer zu Hause und dann auch recht schnell Internet. Das war zu einer Zeit, als das alles andere als üblich war, so dass Schulkollegen zu uns kamen um mal «Das Internet» zu sehen. Irgendwie rutscht man da dann so rein.

Wie alt waren Sie da?
Das war irgendwann während der Schulzeit, relativ früh.

Wie alt waren Sie, als es ernst wurde und Sie sich für eine Berufslehre bzw. eine Studienrichtung entscheiden mussten?
20 Jahre.

Was für alternative Berufe oder Studienrichtungen haben Sie damals ebenfalls interessiert?
Architektur, aber Informatik galt als zukunftsweisender und generisch. Damit kann man ja dann überall hingehen.

Welche Infos hatten Sie damals über die Ausbildung und die Möglichkeiten danach?
Keine.

Was sprach dagegen aus Ihrer damaligen Sicht?
Nichts :-).

Wer, welche Personen, welche Umstände haben für Sie damals gegen eine Laufbahn, in der IT zu gesprochen?
Gar keine, ehrlich gesagt.

Was war letztendlich doch ausschlaggebend für Ihren Entscheid, in die IT zu gehen?
Es hat mich einfach interessiert. Ich war immer technikaffin.

Wer, welche Personen, haben Sie damals unterstützt?
Alle. Das war wirklich kein Thema. Gar keines.

Wie verlief Ihr Weg nach der Ausbildung bzw. nach dem Studium?

Welches waren Ihre ersten Schritte nach dem Studium?
Weitermachen (Doktorat) 😊. Ich fand die Uni toll.

Wo standen Sie in Ihrer Karriere fünf Jahre nach Ende der Ausbildung/Studium?
Fünf Jahre nach Studium war ich gerade fertig mit dem Doktorat und hatte eine 50% Stelle bei Swisscom Innovations. Fünf Jahre nach dem Doktorat habe ich bei Swisscom ein Security Development Team geführt und bin dann zu siroop gegangen als Head of Security.

Hatten Sie
a) Denselben Lohn wie Ihre männlichen Kollegen?
Von dem was ich weiss, etwas niedriger. Ich war auch nie gut im Verhandeln meines Lohns.

b) Dieselben Karrierechancen?
Prinzipiell hatte ich ja eine Managementposition, also hatte ich wohl gute Chancen.

Wie schätzen Sie die Entscheidung für die IT rückblickend ein?

Welche Ihrer Erwartungen wurden erfüllt?
Spannende Tätigkeiten in nahezu beliebigen Branchen.

Was freut Sie am meisten an ihrer aktuellen beruflichen Situation?
Tolles Team und wieder eine neue Branche (öffentliche Verwaltung).

Welche Ihrer Erwartungen wurden nicht erfüllt?
Hm, ich bin da ziemlich reingestolpert ohne so viele Erwartungen, insofern wurde eigentlich nichts nicht erfüllt.

Würden Sie denselben Entscheid nochmals treffen?
Ich denke schon.

Was bereuen oder kritisieren Sie?
In IT Bereichen arbeiten häufig viel zu viele fachfremde Personen. Auch wenn das bereichernd ist, sollte es eine brauchbare Menge an Fachpersonen haben.

Wie wäre/würde Ihre Laufbahn anders verlaufen, wenn Sie ein Mann wären?
Das weiss ich nicht.

Was würden Sie anders machen, und wie genau, wenn Sie könnten?
Vielleicht würde ich doch noch etwas weiter in eine akademische Karriere gehen. Schwer zu sagen.

Hätten Sie einen Zauberstab, was würden Sie sich wünschen?
Eine flexiblere Kinderbetreuung – das gar aber nichts mit IT zu tun.

Was raten Sie Ihrer Tochter?

Welche Ratschläge würden Sie ihrer 15-jährigen Tochter mit auf den Weg geben, wenn sie gern in die IT gehen möchte?
Einfach machen 😊.

Was ist für Sie in beruflicher Hinsicht wichtig im Leben?
Es muss Spass machen und Perspektiven geben. Ich lerne gern und viel. Wenn ich an einem Ort nicht mehr lernen kann, gehe ich.

Worauf müsste eine junge Frau, die im Jahr 2061 pensioniert wird, bei der Gestaltung ihre Laufbahn achten?
Sie sollte arbeiten und unabhängig sein. Ab da stehen einem alle Türen offen.

Anmerkung
Der Fragebogen geht sehr stark auf die Unterschiede Mann-Frau ein. Damit hatte ich tatsächlich nur extrem selten Mühe. Einmal hatte ich einen Chef-Chef, welcher der Meinung war, Frauen sind nur normal, wenn sie auf ihn stehen und wenn sie das nicht tun, sind sie irgendwie komisch. Das halte ich für extrem unprofessionell und habe dann dementsprechend zügig den Job gewechselt.
Krasser finde ich die Unterschiede, wenn man Kinder hat. Es ist nach wie vor nicht einfach, wenn man Kinder hat und beide Eltern berufstätig sind. Das klassische Modell, wo einer zu Hause bleibt, ist immer noch anerkannter. Das merkt man bei der Flexibilität von Kinderbetreuung, aber auch im Job. Meetings in Randzeiten sind aktuell einfach nicht möglich und das war nicht in allen meinen Jobs anerkannt. Aktuell ist es kein Thema zum Glück. Man merkt es aber auch daran, was Arbeitszeitreglemente vorsehen, wenn beispielsweise ein Kind krank wird. Die Erwartung, dass man dann Ferien nimmt, halte ich für fehl am Platz. Sowas bremst dann üblicherweise die Berufstätigkeit von Frauen in allen Bereichen. Ich kämpfe dagegen an, aber das ist hart.

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