IT Feuer – Monika Stengl

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Monika Stengl
 

Monika Stengl

Expert Data, Analytics & AI Engineer

Jahrgang: 1960
2 Kinder

„Wenn du neugierig bist, probier’s und lass dich überraschen, denn IT ist so viel mehr als Programmieren, und es macht richtig Spass. Es ist wichtig, dass wir Frauen die IT mitprägen.“

Werdegang: MSc Biochemistry ETHZ, Software Engineering Nachdiplomstudium, Rapperswil

 

Wie sind Sie in die IT-Branche gekommen?

Welches war Ihre erste Begegnung mit IT?  Wann, wie und warum haben Sie dann Feuer gefangen?
Ich wusste schon immer, dass für mich nur ein MINT Beruf in Frage kommt. Mein erstes konkretes Erlebnis war ein Wettbewerb in einer Themenwoche im Gymi mit einem HP-Taschenrechner. Meine Freundin und ich waren nachts die Einzigen, die die Lösung noch finden wollten und haben es geschafft!

Wie alt waren Sie da?
17 Jahre

Wie alt waren Sie, als es ernst wurde und Sie sich für eine Berufslehre bzw. eine Studienrichtung entscheiden mussten?
19 Jahre

Was für alternative Berufe oder Studienrichtungen haben Sie damals ebenfalls interessiert?
Für mich war klar, dass ich an der ETH studieren wollte, da ich eindeutig mathematisch-naturwissenschaftlich begabt war und an die beste Schule wollte. Ich habe immer Herausforderungen gesucht und wollte schon damals auch beweisen, dass Frauen genauso gut sind. Informatik gab es damals nicht, Elektroingenieur:in wollte ich nicht werden, da mir dann mein älterer Bruder immer erklärt hätte, wie’s läuft. Biochemie fand ich sehr spannend und alle hatten grossen Respekt davor, das hat mich angespornt. Eine Alternative wäre Buchhändlerin gewesen, aber das habe ich u.a. verworfen, weil mir der Aspekt Geld verdienen sehr wichtig war.
Zur Informatik kam ich per Zufall nach dem Studium. Ich musste Geld verdienen vor dem dem PhD. Informatik war neu und klang spannend. Den ersten Job bekam ich an Neujahr mit einem Telegram “Leider müssen wir auf sie zurückkommen”! Darüber haben wir noch viele Jahre später gelacht. Das internationale Umfeld, die Start-up Atmophäre und die tägliche Arbeit haben mir so zugesagt, dass ich geblieben bin.

Welche Infos hatten Sie damals über die Ausbildung und die Möglichkeiten danach?
Es gab noch kein Informatikstudium an der ETHZ.

Was sprach dagegen aus Ihrer damaligen Sicht?
Nichts

Wer, welche Personen, welche Umstände haben für Sie damals gegen eine Laufbahn in der IT gesprochen?
Niemand, weder meine Familie, mein Partner und noch meine Freunde. Später ein paar Arbeitskollegen, aber die waren für mich aus einer anderen Zeit.

Was war letztendlich doch ausschlaggebend für Ihren Entscheid, in die IT zu gehen?
Spass, Geld und weil ich es gut konnte. Und der Antrieb zu zeigen, dass Frauen es genauso gut können.

Wer, welche Personen, haben Sie damals unterstützt?
Meine Familie hat mich immer unterstützt, selbständig zu werden und mein eigenes Geld zu verdienen. Obwohl meine Eltern ein sehr klassisches Familienodell gelebt haben, hat mir meine Mutter unbewusst doch etwas Anderes mitgegeben. Sie ist 93 Jahre alt und ich habe das Glück, ihr noch viele Fragen über ihr Leben stellen zu können. Eine Leben, dass von Migration und Krieg geprägt war und von sehr starken Frauen. Mein Vater hat mir nie das Gefühl gegeben, ich könnte nicht Ingenieur:in werden. Ich denke die Familie prägt die Berufslaufbahn mehr als wir denken, mehr als die Schule.

Wie verlief Ihr Weg nach der Ausbildung bzw. nach dem Studium?

Welches waren Ihre ersten Schritte nach dem Studium?
Ich bin direkt in einen Job eingestiegen.

Wo standen Sie in Ihrer Karriere fünf Jahre nach Ende der Ausbildung/Studium?
Beruflich war ich Senior Projekleiterin mit 2 Jahren Auslandaufenthalt in London. Ich lebte in einer langjährigen Partnerschaft und genoss das Partyleben. Der Wunsch nach Kindern wuchs.

Hatten Sie
a) Denselben Lohn wie Ihre männlichen Kollegen?
Nein. Genau zu dieser Zeit, kam ich aus England zurück und sollte meinen alten Job als externe Projektleiterin bei einer Bank wieder aufnehmen. Ich fand per Zufall heraus, dass die Person, die meinen Job in meiner Abwesenheit übernommen hatte, klar mehr verdiente. Ich lachte und die Sache war schnell gelöst. Ein Glück, dass ich es überhaupt erfahren habe.

b) Dieselben Karrierechancen?
Nein.
Warum nicht?
Konstanter Bias. Frauen werden im deutschsprachigen Raum selten Technik und Führung zugetraut. Wenn sie gut waren, hat oft das “Chefsekretärinnen Syndrom” zugeschlagen. Sie arbeiteten viel, machten die Kommunikation und Planung, oft aber ohne offizielle Position im Organigramm. Wichtige Sitzungen finden dann ohne sie statt.
Lustige Anekdoten: bei meinem Software-Engineering Nachdiplomstudium in Rapperswil musste ich den Kalender mit nackten Frauen mehrmals ersetzen mit einem von Männern. Und zum Abschluss bekam ich dann – hochschwanger – das Diplom als erste mit spezieller Erwähnung (Frau). Leider mit dem Titel “Herr Monika Stengl”. Da ich unseren Professor absolut genial fand, konnte ich es, theatralisch lachend, sofort zurückweisen.

Wie schätzen Sie die Entscheidung für die IT rückblickend ein?

Welche Ihrer Erwartungen wurden erfüllt?
Informatik ist ein fantastischer Beruf! Sie ist kreativ, man muss immer am Ball bleiben und sie wird immer wichtiger. Es macht Spass täglich im Team, ausserhalb des Teams und mit den Kunden Lösungen zu finden.

Was freut Sie am meisten an ihrer aktuellen beruflichen Situation?
Dass es immer enorm spannend und herausfordernd ist und ich täglich neue Dinge lerne, z.B Machine Learning/AI. Und es macht mir vor allem auch Spass, mit jüngeren Leuten zu arbeiten.

Welche Ihrer Erwartungen wurden nicht erfüllt?
Wertschätzung der Arbeit von Frauen in Form von Verantwortung und Kaderpositionenen waren selten.

Würden Sie denselben Entscheid nochmals treffen?
Ganz sicher. Ich liebe den Beruf.

Was bereuen oder kritisieren Sie?
Der Bias gegen Frauen und Leute, die anders sind, und die “Heimchen am Herd”-Kultur im deutschsprachigen Raum.

Wie wäre/würde Ihre Laufbahn anders verlaufen, wenn Sie ein Mann wären?
Ich hätte vermutlich keinen Karriereknick gehabt nach der Geburt der Kinder.

Was würden Sie anders machen, und wie genau, wenn Sie könnten?
Mehr Netzwerke, Führungsausbildung und vor der Geburt der Kinder klarstellen, dass ich Karriere machen will (auch meinerseits). Eventuell würde ich es heute wagen, mich selbständig zu machen.

Hätten Sie einen Zauberstab, was würden Sie sich wünschen?
Beruflich: Dass IT weiblicher und auch sonst diverser wird. Eine Product Owner Stelle. Und dass ich bis 65 arbeiten darf in meiner Firma wie meine Kollegen, da der Rentenverlust eines Jahres nämlich erstaunlich hoch ist (7.5%). Ohne Zauberstab: würde auch eine kleine Änderung der Arbeitsverträge genügen.

Was raten Sie Ihrer Tochter?

Welche Ratschläge würden Sie ihrer 15-jährigen Tochter mit auf den Weg geben, wenn sie gern in die IT gehen möchte?
Einfach machen, hohe Ziele setzen und Netzwerke nutzen.

Was ist für Sie in beruflicher Hinsicht wichtig im Leben?
Spass haben an dem, was man macht, damit jeder Tag spannend ist. Die vielen Kontakte mit Kolleg:innen und Kund:innen und immer neuen Herausforderungen. Ausserdem Geld, weil es einem unabhängig macht.

Worauf müsste eine junge Frau, die im Jahr 2061 pensioniert wird, bei der Gestaltung ihre Laufbahn achten?
Auf’s Bauchgefühl achten, sich nie runtermachen lassen und ansonsten selbständig denken und unabhängig sein. Zu den Herausforderungen spontan ja sagen und wenn man sie nicht aufgetischt bekommt, einfach selber kreieren. Den Geldaspekt nicht ausser Acht lassen.

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