IT Feuer – Barbara Weber

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Barbara Weber
 

Barbara Weber

Professorin und Dekanin an der Universität St. Gallen

Alter: 44

„Informatik ist extrem vielseitig, stiftet grossen Nutzen und macht wahnsinnig viel Spass.“

Werdegang: Barbara Weber hat an der Universität Innsbruck promoviert und als erste Frau dort in Informatik habilitiert. Sie war zunächst in Innsbruck Assistenzprofessorin und dann Assoziierte Professorin (tenure-track). 2016 wurde sie auf eine volle Professur für Software Engineering an die Technische Universität Dänemark berufen. 2019 folgte Sie dann einem Ruf an die Universität St. Gallen.
Sie ist ordentliche Professorin für Software Systems Programming and Development und seit August 2020 Dekanin der neu gegründeten School of Computer Science.

 

Wie sind Sie in die IT-Branche gekommen?

Welches war Ihre erste Begegnung mit IT?   Wann, wie und warum haben Sie dann Feuer gefangen?
Meine erste Begegnung mit der IT machte ich zu Beginn meiner Gymnasialzeit in den Sommerferien als ich mich aus Eigenantrieb für einen Computerkurs angemeldet habe. Mir hat das so viel Spass gemacht, dass ich dann meinen Vater überzeugt habe, mir einen PC zu kaufen. Ich erinnere mich, dass es ein 286er Prozessor von Intel war, es bereits die ersten graphischen Benutzeroberflächen gab, noch kein Internet für Privathaushalte verfügbar war und Computer damals noch so richtig teuer waren. In meiner Familie oder meinem näheren Umfeld gab es niemanden, der Interesse oder Expertise in diesem Bereich hatte. Ich war aber neugierig und fasziniert von den Möglichkeiten und mir gefiel es Dinge auszuprobieren und mit dem Computer zu gestalten. Obwohl meine Eltern damals selbst keine Computerkenntnisse hatten, unterstützen sie mich in meinem Ansinnen.

Wie alt waren Sie da?
11 Jahre.

Wie alt waren Sie, als es ernst wurde und Sie sich
a) für eine Berufslehre entscheiden mussten?
b) für eine Studienrichtung entscheiden mussten?
Für mich war es immer klar, dass ich studieren möchte. Entscheiden musste ich mich dann mit 18 nachdem ich das Gymnasium mit Matura abgeschlossen hatte.

Was für alternative Berufe oder Studienrichtungen haben Sie damals ebenfalls interessiert?
Eigentlich wollte ich Informatik studieren, allerdings gab es damals in der Nähe keine enstprechenden Studienangebote und ich wollte nicht aus Tirol wegziehen und unbedingt in meinem Sportverein weitertrainieren. Als begeisterte Sportlerin habe ich dann mit dem Gedanken gespielt, Sport zu studieren und mich dabei auf Sportmanagement zu spezialisieren. Obwohl ich ingesamt sehr sportlich war, hatte ich aber insbesondere beim Turnen gewisse Schwächen, sodass ein Sportstudium für mich letztendlich keine Option war. Daher habe ich mich entschieden, mich auf den Managementteil zu konzentrieren und Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Während des Studiums habe ich dann soweit es möglich war technische Fächer gewählt.

Welche Infos hatten Sie damals über die Ausbildung und die Möglichkeiten danach?
Ich habe mir eigentlich damals recht wenig Gedanken gemacht und war sehr auf meinen Leistungssport fokusiert.

Was sprach dagegen aus Ihrer damaligen Sicht?
Gegen ein Informatikstudium sprach für mich damals, dass ich Tirol hätte verlassen müssen.

Wer, welche Personen, welche Umstände haben für Sie damals gegen eine Laufbahn, in der IT zu gesprochen?
Gegen eine Laufbahn in der IT sprach wenig, allerdings gegen ein Informatikstudium ausserhalb von Tirol.

Was war letztendlich doch ausschlaggebend für Ihren Entscheid, in die IT zu gehen?
Ausschlaggeben waren Möglichkeiten, die sich aufgetan haben, und die ich ergriffen habe. Bereits früh in meinem Studium habe ich begonnen bei einer Firma zu arbeiten, die auf Computerschulungen spezialisiert war. Während des 2. Studienabschnitts habe ich dann Vollzeit als Software-Entwicklerin gearbeitet und war nur ca. 1 Tag in der Woche an der Uni. An der Uni waren meine Programmierkenntnisse gefragt und ich konnte eine technische Masterarbeit machen. Gegen Ende meines Studiums bekam ich dann eine Doktoratsstelle angeboten (im Bereich Informationsysteme) und ich ergriff die Möglichkeit umgehend. Gegen Ende meiner Dissertation begann man in Innsbruck dann Informatikstudiengänge aufzubauen und gründete ein Institut für Informatik. Für mich genau zur richtigen Zeit. Auf einer Veranstaltung des damaligen Software Circles lernte ich eine der Professorinnen kennen und bekam eine Stelle als Postdoktorandin angeboten. Damit war ich dann da, wo ich eigentlich immer sein wollte – in der Informatik.

Wer, welche Personen, haben Sie damals unterstützt?
Sehr stark Unterstützung erhielt ich von meinem damaligen Freund und jetztigen Mann. Darüber hinaus war ein Forscherkollege von der Universität Ulm in meiner frühen Karriere entscheidend. Schwierig war die Situation während meiner Disseration, da ich kaum Betreuung hatte. Nach dem Wechsel an die Informatik war die Situation vorallem deswegen herausfordernd, weil es in Österreich eine Novellierung des Universitätsgesetzes gab und dann über Jahre Kollektivverhandlungen stattfanden. In dieser Verhandlungsphase gab es massive Unsicherheiten und erst ein halbes Jahr vor Ablauf meines Vertrages zeichnete es sich ab, dass es zu einer Einigung kommt und sogenannte Laufbahnstellen eingeführt werden. Hier hatte ich dann das Glück, dass diese Stellen für mich gerade noch rechtzeitig kamen und ich eine dieser sehr begeehrten und auch raren Stellen gewinnen konnte. Zweifel gabe es entlang des Weges immer wieder. Geholfen hat aber die Begeisterung und das Interesse für das Fach.

Wie verlief Ihr Weg nach der Ausbildung bzw. nach dem Studium?

Welches waren Ihre ersten Schritte nach dem Studium?
Nach meinem Studium begann ich unmittelbar mit meinem Doktorat.

Wo standen Sie in Ihrer Karriere fünf Jahre nach Ende der Ausbildung/Studium?
Fünf Jahre nach Abschluss meines Diplomstudiums war ich Postdoktorandin am Institut für Informatik an der Universität Innsbruck, d.h. noch am Anfang meiner wissenschaftlichen Karriere.

Hatten Sie
a) Denselben Lohn wie Ihre männlichen Kollegen?
Ja.

b) Dieselben Karrierechancen?
Ja.

Wie schätzen Sie die Entscheidung für die IT rückblickend ein?

Welche Ihrer Erwartungen wurden erfüllt?
Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich Anfang 20 die Sorge hatte, nie einen Job zu finden, der mir länger als 1-2 Jahre gefällt und es langweilig wird. Von der Entscheidung für eine wissenschaftliche Laufbahn in der Informatik erhoffte ich mir ein spannendes Tätigkeitsfeld sowie die Möglichkeit gestalten zu können und diese Erwartung wurde voll erfüllt.

Was freut Sie am meisten an ihrer aktuellen beruflichen Situation?
Die Möglichkeit gestalten zu können. Die Zusammenarbeit und der Austausch mit Studierenden und jungen Forscherinnen und Forschern.

Welche Ihrer Erwartungen wurden nicht erfüllt?
Keine.

Würden Sie denselben Entscheid nochmals treffen?
Ja.

Was bereuen oder kritisieren Sie?
Eigentlich bereue ich keinen meiner Schritte. Allerdings sehe ich es mit Bedauern, dass der Wettbewerb im wissenschaftlichen Bereich immer mehr zunimmt und es nur sehr wenige Tenure Track Stellen gibt.

Wie wäre/würde Ihre Laufbahn anders verlaufen, wenn Sie ein Mann wären?
Ich glaube, dass meine Karriere als Mann nicht anders verlaufen wäre. Allerdings ist es hier ganz entscheidend, dass mich mein Mann bei jeder meiner Karriereentscheidungen und Umzügen voll und ganz unterstützt hat und wir als Team gut eingespielt sind.

Was würden Sie anders machen, und wie genau, wenn Sie könnten?
Ich glaube ich würde nicht viel anders machen, da ich einen Job habe, der mir sehr viel Spass macht.

Hätten Sie einen Zauberstab, was würden Sie sich wünschen?
Weltweit mehr Budget für die Forschung und ein weniger hierarchisches Wissenschaftssystem.

Was raten Sie Ihrer Tochter?

Welche Ratschläge würden Sie ihrer 15-jährigen Tochter mit auf den Weg geben, wenn sie gern in die IT gehen möchte?
Ich würde sie ermuntern und sie ermutigen ihren leistungsfähigen Computer für Online Kurse zu verwenden und sich coole Projekte eventuell gemeinsam mit Kolleginnen zu überlegen.

Was ist für Sie in beruflicher Hinsicht wichtig im Leben?
Gestalten zu können, etwas bewirken können, spannende Aufgaben und interessante Diskussionen, ein kollegiales und kooperatives Arbeitsumfeld.

Worauf müsste eine junge Frau, die im Jahr 2061 pensioniert wird, bei der Gestaltung ihre Laufbahn achten?
Ein Fach zu wählen wofür man brennt und welches auch langfristig grossen Nutzen stiftet. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass man nicht jeden Schritt vorausplanen kann und muss, aber man muss bereit sein, wenn sich eine Gelegenheit bietet.

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