Interview mit Fridel Rickenbacher: Become a Leader not a Follower

Industrie 4.0 war das Thema am diesjährigen Küssnachter Wirtschaftsforum. Fridel Rickenbacher, Mitbegründer des ICT-Unternehmens MIT-GROUP, sprach in seinem Impulsreferat «Industrie 4.0 – Digitalisierung – Aufklärung 4.0» über Chancen und Risiken der digitalen Zukunft. Rickenbacher rief dazu auf, die Chancen der Zukunft vor der Vergangenheit zu schützen und nicht die Vergangenheit vor der Zukunft zu schützen, denn die intelligente Kombination von Mensch und Maschine werde noch nie Dagewesenes ermöglichen. Die Schweiz sei ein Binnenland mit wenig Rohstoffen. Darum müssten wir schnellstmöglich in die Digitalisierung investieren. Als Küssnachter startete er seine Impulse mit der passenden Aussage «Auch durch diese Hohle Gasse muss sie kommen – die Digitalisierung!» Im nachfolgenden Interview gibt Fridel Rickenbacher vertiefte Einblicke in die digitale Zukunft.

Fragekreise, Interview und Expertenmeinung, Ernst Sidler / Fridel Rickenbacher

 

Der Digitalisierung wird das Zeitalter der Jobkiller nachgesagt. Wie sehen Sie das?

Fridel Rickenbacher: In der Tat: Technologie «killt» oder verändert Jobs, aber nur die Technologie und Digitalisierung kann auch Jobs retten. Bisher war die 2. industrielle Revolution (Elektrifizierung, Mechanisierung, Massenproduktion um das Jahr 1870) statistisch gesehen der grösste Jobkiller und wir hoffen und müssen aber aktiv mitgestalten zum «better together», dass dies auch so bleibt!

Wie steht es denn um die «digitale» Fitness der Schweizer KMU, Gesetzgebung und Gesellschaft als Basis für den Erfolg in der Digitalisierung?

Fridel Rickenbacher: In meinen Gesprächen und einem meiner Interviews mit dem Staatssekretariat für Wirtschaft SECO wurde bestätigt, dass sich die Gesetze im Rahmen der Digitalisierungs-Tests in einem relativen guten und passenden Zustand befinden. Jedoch müssen wir alle sicherlich Sorge tragen, dass künftige Vernehmlassungen und Gesetze die vielen Innovationen und unsere Zukunft nicht ins Ausland verbannen.Viele Firmen in der Schweiz bemühen sich seit längerer Zeit mit der Automatisierung und Optimierung und müssen nun noch weitere Fortschritte erzielen mit den neuen Entwicklungen der Digitalisierung bzw. Industrie 4.0.

Wo stehen wir im Rahmen der Digitalisierung / Industrie 4.0 aus Sicht der CyberSecurity und den Cloud-Technologien?

Fridel Rickenbacher: Echte Innovation und Weiterentwicklung auf strategischer Ebene kann optimiert und teilweise gar erst ermöglicht werden, wenn gewisse operative Kern-Prozesse und Disziplinen als mittragende Säulen wie z. B. Managed Services in den Fachbereichen ICT, Security, Software, Clouds hochstandardisiert bzw. hochspezialisiert betrieben oder gar besser ausgelagert werden. Erst dann kann man befreiter und unbelasteter «innovativ mitdenken und qualitativ handeln» für neue Geschäftsmodelle und Transformation. Diese Konzentration auf die eigene Kernkompetenz und Auslagerung von möglichst vielen, nicht kernkompetenz- kritischen Prozessen hat wiederum positive Seiteneffekte auf z. B. das eigene Risk Management, Auditierung oder Compliance Anforderungen.

Sie sprachen von Informations Kompetenz und auch Challenge des Menschen mit der künstlichen Intelligenz – stufengerecht, jedoc nötig in jedem Alter und Lebensabschnitt – ist das zu schaffen für ganz junge und ältere Menschen?

Fridel Rickenbacher: Im Rahmen der Forschung und Lehre (auch Lehrplan21) und die sich weiter digitalisierende Gesellschaft wird die Informations- Kompetenz weiter an Relevanz gewinnen und Weiterentwicklungen im internationalen Wettbewerb beweisen. Sogar zunehmende demografische Herausforderungen werden abgemildert durch Digitalisierung und selbstbestimmungsoptimierende
Hilfsmittel wie generell dem Internet, Apps, Tablets, Smartphones und speziell durch künftige Weiterentwicklungen in den Bereichen von SmartHomes, IoT, Data Analytics, Machine Learning, Künstliche Intelligenz und or allem der «massive Interconnection».

Es ist abzusehen, dass Firmen im Thema vom «Kampf um Talente» noch einige Herausforderungen und Aufgaben anzugehen haben, um die passendsten Talente und besten Mitarbeiter finden und binden zu können im fortwährenden Wettbewerb. Wie ist Ihre Meinung hierzu?

Fridel Rickenbacher: Das «Human Kapital» wird sicherlich weiter an strategischer Wichtigkeit gewinnen. Es ist abzusehen, dass auch die klassischen HR-Aufgabenbereiche massiv über die Personaladministration erweitert / spezialisiert oder ebenfalls gar ausgelagert werden müssen zu datenunterstützter «Personal Rekrutierung » und sogar in Richtung hochspezialisierter «Personal Diagnostik» durch Experten mit profunden Ausbildungen und Erfahrungen in HR-Wissen, Menschenkenntnis, Diagnostik, Datenanalysen und Psychologie. Die falschen Personen in der falschen Position kann sich keine Firma mehr leisten in der nahen Zukunft.

Welche Fähigkeiten der Menschen werden denn überhaupt noch gefragt bleiben im Kampf gegen / Chance für das zweite Zeitalter der Maschinen und künstliche Intelligenz?

Fridel Rickenbacher: In meinem Kopf und Adern fliessen zwar «bits und bytes» jedoch und darum bin ich froh, dass es nicht «nur» künstliche Intelligenz gibt. Ich bin überzeugt, dass vor allem die «Softskills» wie
z. B. Empathie, menschliche Emotionen, kritisches Denken, richtige Fragen stellen unverändert eine unserer «letzten Bastion» bleibt. Weiter meine ich, dass die künstlerische Intelligenz und Vorstellungskraft von uns Menschen zunehmend gefragt und in Kombination mit den Maschinen völlige neue Komplexitätsstufen von Lösungsfindungen mitermöglichen wird.

Werden wir alle als Mitglieder der digitalen Gesellschaft irgendwann mal in volldigitalisierten Smartcitys leben?

Fridel Rickenbacher: Die «massive Interconnection und Datanalytics» durch Internet der Dinge (IoT), Big Data, Künstliche Intelligenz wird unterstützt durch die vollintegrierte Digitalisierung der Planungs- und Bauprozesse (Building Information Modeling BIM) werden völlig neue, aber auch «komplett analysierte» Lebens- und Arbeitsräume ermöglichen. Ob und wie wir so «überwacht und vollanalysiert » leben und existieren können ist auch abhängig von völlig neuen Spielregeln und vor allem auch ( informations)ethischen Fragen. Es bleibt die Hoffnung, dass sich keine neue Art von Zweiklassen-Gesellschaft etabliert, in welcher die einen die volldigitalisierten und auch vollanalysierten Onliner in den Smartcitys sind und die anderen die freiwillig (oder auch unfreiwillig) gewordenen Offliner ausserhalb der Smartcitys.

In diversen laufenden oder aktiven Gesetzesgebungen rund um den Datenschutz, elektronischer Identität und elektronisches Patientendossier gibt es grosse Meinungsunterschiede und Diskonsens. Wo sehen Sie persönlich – als auch Mitglied dieser Vernehmlassungs- Expertengruppen – spezielle Herausforderungen?

Fridel Rickenbacher: Kurz: Wenn es so weitergeht müssen wir bald unsere persönlichen Grundrechte zur Datenhoheit und mindestens maximierte Mitbestimmung (Recht auf Kopie / Löschung / Aussetzung, Privacy by default usw.) über unsere Daten zurückfordern oder anders regeln. Die Politik und Gesetzgebung sollte einen nicht zu grossen Einfluss auf unsere Chance zur internationalisierten Digitalisierungs-Wirtschaft ausüben zulasten unseres sonst noch geschwächteren, rohstoffarmen Binnenlandes Schweiz.

Sie sprechen vom auch im Aspekt der Industrie 4.0 eingekesselten Binnenland Schweiz. Gemäss Ihnen als Mitglied / Akteur bei der «Nationale Strategie zum Schutz der Schweiz vor Cyber-Risiken» werden sicherlich auch diese Aspekte beim Schutz der kritischen Infrastrukturen bearbeitet?

Fridel Rickenbacher: Die Wichtigkeit der CyberSecurity von solchen systemkritischen
und mitunter latent bedrohten CH-Infrastrukturen als auch tragendes Rückgrat der Wirtschaft
ist selbstverständlich und selbsterklärend. Dieser «Heimatschutz» auf nationaler Ebene muss jedoch zwingend an internationalen Standards, Zertifizierungen und Zusammenarbeiten ausgerichtet sein.
Jetzige und künftig absehbar weiterentwickelte und grenzüberschreitende Allianzen im nötigen globalen Kampf gegen die weltweite Cyberkriminalität aber auch zugunsten künftigen New Economy Systemen im Rahmen der weiteren Digitalisierung setzen solche Strategien und z. B. auch ein solches «System des Vertrauens » der Zusammenarbeitenden zwingend voraus.

 

 

 

Digitalisierung: Der Begriff Digitalisierung bezeichnet allgemein die Veränderungen von Prozessen, Objekten und Ereignissen, die bei einer zunehmenden Nutzung digitaler Geräte erfolgt.

Cyber Security: Informationssicherheit dient dem Schutz vor Gefahren bzw. Bedrohungen, der Vermeidung von wirtschaftlichen Schäden und der Minimierung von Risiken.

Cloud-Technologien: Cloud-Computing umschreibt den Ansatz, IT-Infrastrukturen über ein Rechnernetz zur Verfügung zu stellen, ohne dass diese auf
dem lokalen Rechner installiert sein müssen.

Managed Services: Managed Services sind IT-Dienstleistungen, die von Unternehmen zur Verfügung gestellt werden.

ICT: ICT steht für Informations- und Kommunikationstechnik.

Compliance: Compliance ist in der betriebswirtschaftlichen Fachsprache der Begriff für die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien.

Smart Homes: Unter diesen Begriff fällt sowohl die Vernetzung von Haustechnik und Haushaltgeräten, als auch die Vernetzung von Komponenten der Unterhaltungselektronik.

IoT: Der Begriff Internet der Dinge (IoT) beschreibt, dass der (Personal) Computer in der digitalen Welt zunehmend von «intelligenten Gegenständen » bis hin zu künstlicher Intelligenz ergänzt wird.

Cyberkriminalität: Der Begriff Cyberkriminalität umfasst alle Straftaten unter Ausnutzung elektronischer Infrastruktur.

 

Fridel Rickenbacher ist Mitbegründer, Partner, Geschäftsführer und Verwaltungsrat der MIT-GROUP, einem Totalunternehmen für «Empowering for the 4th Industrial Revolution » und Informations- und Kommunikationsmanagement. Des Weiteren ist er Mitglied bei diversen Branchenund Fachverbänden, Redaktionen und Experten-Gruppen in den Bereichen CyberSecurity, Privacy, AI, eHealth, Information Ethics, Baudigitalisierung, Ausbildung schweiz. dipl. Informatikexperte und Akteur Informatiksteuerungsorgan des Bundes «Nationale Strategie zum Schutz der Schweiz vor Cyber-Risiken (NCS)».

 

 

 

fridel_rickenbacher_avata512by1512.png
About Fridel Rickenbacher 21 Articles
Fridel Rickenbacher ist Mitbegründer, Partner, Geschäftsführer und Verwaltungsrat der MIT-GROUP, einem Totalunternehmen für «Empowering for the 4th Industrial Revolution» und Informations- und Kommunikationsmanagement. Des Weiteren ist er Mitglied bei diversen Branchen- und Fach-Verbänden / Fachgruppen für Gesetzesvernehmlassungen wie s-i.ch / isss.ch / isaca.ch, Redaktion SwissICT.ch und Experten-Gruppen in den Bereichen CyberSecurity, Privacy (DSG, DSGVO, GDPR, e-ID, EPDG), Auditing, AI, eHealth, Information Ethics, digitale Gesellschaft, Baudigitalisierung, Ausbildung schweiz. dipl. Informatikexperte und Akteur Informatiksteuerungsorgan des Bundes «Nationale Strategie zum Schutz der Schweiz vor Cyber-Risiken (NCS)»